Wolfsangriffe nehmen zu – Gefahr für Menschen?

Seit jeher löst seine Anwesenheit sehr gemischte Gefühle, wenn nicht sogar Angst aus. Die Rede ist vom Wolf, dem größten Raubtier, welches in unserem Land vorkommt. Ab dem 19. Jahrhundert waren sie in Westeuropa fast vollkommen ausgerottet, erst in den letzten zwei Jahrzehnten ist der Wolf auch in Deutschland wieder heimisch geworden. Aber welche Gefahr geht von ihm aus? Kann man überhaupt noch ohne Risiko Wandern gehen? Dieser Artikel soll etwas Licht ins Dunkel bringen.

Verbreitung in Deutschland

Die Anzahl der Wölfe in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert. Im Monitoringjahr 2017/18 wurden in allen Bundesländern, bis auf dem Saarland und den Stadtstaaten, Wölfe beobachtet. In der nachfolgenden Abbildung ist die Entwicklung der Rudel, Paare und Einzeltiere in Deutschland zu sehen. Es fällt auf, dass es sowohl bei den Rudeln als auch bei den Paaren eine sehr starke Zunahme gibt. Von einem Rudel im Jahr 2000/01 ist die Population mittlerweile auf 75 Rudel im Jahr 2017/18 gestiegen. Dazu kommen noch 30 Paare und 3 Einzeltiere. In 67 Territorien wurden 268 Welpen gezählt.

Die Einwanderung der Wölfe begann um die Jahrtausendwende von Polen über Sachsen und betrifft vor allem einen recht breiten Korridor von Görlitz in Richtung Hamburg. Es ist aber eine Ausbreitung über das gesamte Bundesgebiet zu beobachten.

Von Fährtenleser – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=76384409

Wie an der Karte unschwer zu erkennen ist, kommt der Wolf mit zunehmender Verbreitung den menschlichen Siedlungen immer näher. Dies sieht man gut, wenn man die Verbreitung des Wolfes mit der Bevölkerungsdichte der Landkreise vergleicht. Es ist gut zu sehen, dass die Verbreitung sich im Moment stark auf nicht besonders dicht besiedelte Gebiete konzentriert. Bei der derzeitigen Vermehrungsrate wird es aber zwangsläufig zum Eindringen des Wolfes in dichter besiedelte Gebiete kommen.

Von fremantleboy and Marcel Krüger, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15687091

In den Hauptverbreitungsgebieten des Wolfes sieht die Situation dagegen anders aus. In Kanada leben geschätzt zwischen 59.000 und 79.000 Wölfe. Allerdings ist die Bevölkerungsdichte auch wesentlich geringer als in Deutschland. Dies trifft auch für die weiteren Gebiete wie Alaska und Sibirien zu.

Angriffe durch den Wolf

Bisher ist seit der Wiederansiedlung in Deutschland keine Attacke von einem Wolf auf einen Menschen vorgekommen. Insgesamt gab es seit 1950 in Europa 12 Attacken von Wölfen auf Menschen. 5 sind auf tollwütige Wölfe in der Schweiz zurück zu führen. In Spanien wurden vier Kinder von Wölfen attackiert und in Polen zwei KInder und eine Joggerin. Die Fälle in Spanien und Polen sind vermutlich durch Menschen angefütterte Wölfe geschehen, die so ihre Scheu vor den Menschen verloren haben. Weltweit gab es von 2010 bis 2018 130 Angriffe auf Menschen mit 302 Opfern, wovon 32 getötet wurden.

Anders ist die Situation bei Nutztieren (Schafen, Ziegen, Rinder). Hier gab es allein in Deutschland im Jahr 2017 472 Angriffe mit 1.667 getöteten oder verletzten Tieren. Die Anzahl der Angriffe hat in den letzten Jahren mit der Zunahme der Wolfspopulation auch entsprechend zugenommen. Zum Vergleich: Von 2002 bis 2016 wurden 3.455 Nutztiere getötet oder verwundet.

Fast alle Bundesländer bieten Ausgleichszahlungen für getötete Tiere und Zuschüsse für Schutzmaßnahmen an. Aber auch diese bieten keinen 100% Schutz. Vereinzelt sind Wölfe auch schon in geschlossene Ställe eingedrungen und haben die dort befindlichen Kälber gerissen. Dabei kommen sie Dörfern und Wohngebäuden immer näher und sorgen für große Verunsicherung in den betroffenen Gebieten.

Wie weiter?

In der Wolfsfrage gibt es letztendlich zwei Möglichkeiten: Man findet einen Weg, wie man mit dem Wolf leben kann oder man geht den Weg, der auch in der Vergangenheit schon beschritten wurde und gibt ihn zum Abschuss frei. Im Moment hat die Tierschutzvariante die Oberhand und versucht mit Geld die Folgen der Ansiedlung abzufangen. Dies wird vielleicht solange funktionieren, wie keine Menschen zu Schaden kommen. Wird der erste Mensch von Wölfen angegriffen, dann dürfte sich die öffentliche Meinung recht schnell ändern.

Was mir in diesem Zusammenhang etwas unklar ist, ist warum wir den Wolf überhaupt wieder in Deutschland ansiedeln wollen? Das Argument: Weil er schon mal hier gelebt hat, finde ich jetzt nicht wirklich stichhaltig. Eigentlich macht der Wolf doch nur Probleme, oder?

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