Wirecard – Was man daraus lernen sollte

1,9 Mrd Euro sind weg, bzw. waren nie da. Der Aktienkurs rauscht in den Keller, ein Insolvenzantrag wird gestellt und fassungslose Investoren schauen entgeistert auf ihr Depot. Was genau bei Wirecard passiert ist, wissen wir noch nicht. Hier wird sich die Staatsanwaltschaft jetzt darum kümmern. Was aber jetzt schon klar ist, ist, dass dieser Vorfall für einige ein Weckruf sein sollte.

Viele hatten sich vorgestellt, dass sie mit Wirecard einen guten Kauf getätigt haben und in ein zukunftssicheres Unternehmen investiert sind. Mobiles Bezahlen nimmt immer mehr zu und es braucht Dienstleister, die diese Zahlungen abwickeln und absichern. Hier kommt Wirecard ins Spiel. Wirecard verdient so an jedem Einkauf mit. Hört sich erst einmal gut an, oder?

Letztlich haben trotz dieser rosigen Aussichten die Anleger einen massiven Schaden erlitten. Der Kurs ist innerhalb von wenigen Tagen von 150 € auf nunmehr 3,50 € gefallen und ich sehe auch keine Erholung am Horizont. Auch die Tatsache, dass der Ex-Chef Braun sein Aktienpaket massiv reduziert hat, nimmt die Hoffnung, dass sich alles noch zum Guten wendet, besonders nach dem Insolvenzantrag.

Aber was kann man als Anleger nun daraus lernen? Manche sagen jetzt, dass man es ja hätte kommen sehen müssen, da dieser schnelle Aufstieg von Wirecard ja zu schön war um wahr zu sein. Ich denke aber, dass das Prinzip hinter dem Invest von Kleinanlegern in Einzelwerte das eigentliche Problem ist. Diese These möchte ich mit zwei Punkten untermauern.

Diversifikation ist das Gebot der Stunde

Anfängern am Aktienmarkt wird immer erzählt, dass man mit Aktien durchschnittlich 8% Gewinn im Jahr machen kann und, wenn man die Aktien nur lange genug hält, nie Verluste einfährt. Dies führt dann dazu, dass Kleinanleger mit ihren 10.000 € in 10 Aktien investiert sind, die sie natürlich nach langer Recherche ausgewählt haben. Natürlich könnte er auch Aktien von mehr Unternehmen besitzen, aber dann kommt das Thema Gebühren wieder stärker zum tragen. Die einzelne Position macht also 10% des Portfolios aus. Schon ein Totalausfall sorgt für ordentlich Verluste, die durch die anderen Werte erst einmal wieder ausgeglichen werden müssen.

Man könnte jetzt natürlich einwenden, dass das Risiko niedriger ist, wenn man 20.000 € in 500 €-Pakete aufteilt. Und das ist genau der Punkt auf den ich hinaus möchte: Letztlich sollte der Kleinanleger eine möglichst gute Diversifikation anstreben. Über mehrere Länder, Branchen und Währungen hinweg. Dabei sollte keine Position größer als 2-3 % sein. Letztlich tut aber auch jeder Verlust von “nur” 500 € weh, wenn man nicht gerade Millionär ist.

Cherrypicking ist wie Wetten

Was viele Kleinanleger machen ist, dass sie gezielt in Aktien investieren, die sie gut finden oder wo sie meinen, dass ihnen einen rosige Zukunft blüht. Letztlich führt dies aber dazu, dass sie eine Wette mit einem nicht geringen Teil ihres Portfolios eingehen, dass diese Firma Erfolg haben wird.

Ich erinner mich noch gut, als in den Medien von Anlegern berichtet wurde, die in Schiffscontainern investiert haben. Dabei haben viele sehr viel Geld verloren, da die Container nur im Hafen rumstanden und sogar Standplatzgebühren anfielen. Letztlich war es aber eine Wette dieser Anleger, dass das Geschäftsmodell des Kaufens und Vermietens von Schiffscontainern funktioniert. Nicht wenige haben so ihr ganzes gespartes Geld verloren.

Eben diese Wette geht man auch ein, wenn man in Einzelaktien investiert. Stellt euch mal vor, dass Trump wieder gewählt wird und er aus Rache gegen Amazon (für die Unterstützung der Demokraten) Strafen verhängt, die an die Substanz des Konzerns gehen. Dann kann selbst ein so großes Unternehmen wie Amazon in Schwierigkeiten geraten. Oder einen neue Technologie kommt auf, die bestehenden Firmen zu schaffen macht (siehe Automobilbranche). Aus diesem Grund denke ich, dass Cherrypicking nicht funktioniert, bzw. nur mit Glück funktioniert.

Was also tun?

Ich denke, das Diversifikation die einzige Möglichkeit ist, das Problem zu umgehen. Allerdings nicht mit einer manuellen Diversifikation, sondern mit Hilfe von ETFs. Dabei sollte man einen möglichst großen und breit aufgestellten ETF wählen. Ist der ETF zu spezialisiert, habe ich wieder das Problem, dass ich eine Wette auf einen Sektor (z.B. KI) eingehe. Die Regel, dass ich mit Aktien im Jahr im Durchschnitt 8% Gewinn mache, gilt nur, wenn ich breit diversifiziere. Natürlich besteht auch dann das Risiko, dass ich Verluste erleide, aber die Wahrscheinlichkeit ist meines Erachtens nach doch erheblich kleiner wie bei Einzelaktien oder einzelnen Sektoren.

Letztlich muss jeder natürlich selbst entscheiden, welche Strategie er fährt. Hohes Risiko mit Einzelaktien oder breit Diversifiziert mit einem ETF. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden. Dies mach das Investieren zwar wesentlich langweiliger, aber dafür kann ich mich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern.

Wie sieht eure Strategie aus? Was sind eure Erkenntnisse aus der Wirecard-Pleite?

 


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