Vergleich der Wahlprogramme

Mittlerweile haben alle Parteien ihre Wahlprogramme veröffentlicht. Deshalb möchte ich mal einen Vergleich der Wahlprogramme vornehmen. Ich vergleiche dabei die Programme der CDU, SPD, Grüne, Linke, AfD und FDP. Dabei kann ich natürlich nicht alle Politikfelder betrachten, sondern konzentriere mich auf die Renten-, Finanz-, Migrations- und Außenpolitik. Im ersten Abschnitt habe ich zudem eine kurze Analyse der Schwerpunkte der einzelnen Wahlprogramme vorgenommen. Bei manchen Parteien (vor allem AfD, Linke und FDP) war es recht schwer Forderungen aus ihren langen und teilweise etwas unlogisch angeordneten Textes zu extrahieren, dieser Artikel erhebt somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Schwerpunkte der Parteien

Zunächst möchte ich jedoch kurz auf die Schwerpunkte der Parteien eingehen (die Wortwolken habe ich mit Hilfe der Seite www.wortwolken.com erstellt). Weiter unten folgen dann die Details zu den einzelnen Politikfeldern.

Die CDU hat ihren Schwerpunkt eindeutig bei Familie, Europa, Bildung, Arbeit und der Stärkung und Qualifizierung von Menschen. Das Ziel der Vollbeschäftigung bis 2025 ist sehr ambitioniert, es werden aber konkrete Maßnahmen zur Stärkung des Arbeitsmarktes vorgeschlagen. Insgesamt bleibt das CDU-Programm aber sehr zurückhaltend, was visionäre Vorschläge angeht. Das Motto ist eher: “Bewahren und verbessern” statt Revolution. Strittige Themen werden weitgehend ausgespart, was auch daran liegen dürfte, dass das Programm ein Kompromiss zwischen CDU und CSU darstellt. Die CSU wird eigene Akzente in einem Bayernplan vorstellen.

Nach den Umfragen gibt es zur Zeit keine Mehrheit für eine Regierungskoalition ohne CDU. Die CDU dürfte also nach der Wahl in der komfortablen Position sein, dass sie mehrere Optionen hat. Eventuell ist sie aber auch auf ein Dreierbündnis angewiesen (Schwarz-Gelb-Grün), falls sie nicht weitere 4 Jahre große Koalition möchte. Der Wunschpartner dürfte aber die FDP sein.

Die SPD legt ihren Fokus klar auf Arbeit, Europa und Zukunftsthemen. Aber auch Pflege, Rente und Investitionen spielen eine große Rolle. Insgesamt wirkt das Programm auf mich ausgewogen, Fokus liegt klar auf den klassischen SPD-Themen. Allerdings können mich ihre Konzepte in der Renten-, Arbeits- und Migrationspolitik nicht überzeugen. Bei der Steuerpolitik geht das Konzept in die richtige Richtung. Die Europazentriertheit der SPD weißt klar den Weg hin zu Schuldenunion und einem europäischen Bundesstaat.

Die einzige realistische Machtoption für die SPD ist eine Koalition mit der CDU. Rot-Rot-Grün ist im Moment weit weg von einer eigenen Mehrheit. Ob allerdings weitere vier Jahre mit der Union gut für die Partei wären, darf bezweifelt werden. Für die SPD wären wohl vier Jahre Opposition mal ganz gut. Da könnte sie sich von Altlasten befreien und 2021 neu durchstarten.

Das Wahlprogramm der Grünen setzt einen starken Fokus auf ökologische Themen und Frauen. Dieser Fokus zieht sich durch fast alle Politikbereiche. Sie versuchen auch bei sozialer Gerechtigkeit und Gleichstellung aller möglicher Minderheiten zu punkten. Ansonsten ist das Wahlprogramm klar auf ihre Stammwähler ausgerichtet und beinhaltet wenig überraschendes. Die kontroverseste Forderung ist die nach einem Verbot ab 2030 von Neuzulassungen von Kraftfahrzeugen, die mit fossilen Kraftstoffen betriebenen werden.

Für die Grünen ergeben sich nach der Bundestagswahl drei Machtoptionen: Rot-Rot-Grün, Schwarz-Grün oder Schwarz-Gelb-Grün. Wobei nur die letzten beiden Varianten eine realistische Chance haben dürften. Für die Grünen wird sich die Frage stellen, ob sie nach 12 Jahren Opposition wieder bereit für Regierungsverantwortung sind und vor allem ob sie auch bereit für Kompromisse sind. In Schleswig-Holstein haben sie gerade gezeigt, dass sie zu Kompromissen fähig sein, auch wenn von der Basis viel Widerstand kommt.

Die FDP setzt einen klaren Fokus auf wirtschaftsliberale Themen. Der freie Bürger steht im Mittelpunkt. Sie positioniert sich als klar pro-europäisch und pro-amerikanisch. Für meinen Geschmack stehen diese beide Themen auch etwas zu sehr im Vordergrund. Ansonsten ein typisches FDP-Wahlprogramm mit viel “Freiheit”, Steuersenkungen und einem schlankem Staat.

Für die FDP bieten sich mehrere Machtoptionen. Entweder zusammen mit der CDU (z.Z. 48%), mit der CDU und den Grünen (z.Z. 56%) oder zusammen mit der SPD und den Grünen (z.Z. 40%). Am liebsten wäre ihnen wahrscheinlich eine Koalition nur mit der CDU, da sie hier mehr Gewicht haben.

Bei der AfD gibt es im Programm keine Überraschungen. Dominierende Themen sind die Asyl- und Migrationspolitik sowie die Familienpolitik. Wie in der Wortwolke zu sehen, kommen die EZB, der Euro und der Islam auch sehr oft im Programm vor, allerdings meist negativ besetzt. Das Programm ist als konservativ nationalistisch einzuschätzen. Klar rechte Aussagen kommen aber nicht vor.

Für die AfD gibt es nach der Bundestagswahl keine Machtoption. Sie wird in die Opposition gehen und dort unter verstärkter Beobachtung der anderen Parteien und Medien stehen. Der Einzug in den Bundestag ist nicht gefährdet.

Auch bei der Linken sind im Programm wenig Überraschungen enthalten. Bestimmende Themen sind Gerechtigkeit, Arbeit, Rente, Pflege und der Euro. Auffallend ist, dass das Wort “gegen” sehr oft vorkommt. Im Wahlprogramm wird sehr viel Mühe aufgewandt zu erklären wogegen man alles ist. Bei den ganzen Forderungen bleibt auch offen, wie das alles bezahlt werden soll. Auch die Naivität in der Asylpolitik dürfte die Partei für viele unwählbar machen. Die Linke hat von allen untersuchten Parteien mit Abstand das längste Wahlprogramm.

Für die Linke gibt es im Moment nur eine mögliche Koalition: Rot-Rot-Grün. Nach den derzeitigen Umfragen ist diese Koalition mit 40% aber weit von einer Mehrheit entfernt. Viele in der Partei wollen auch gar nicht regieren, sondern bevorzugen eine Fundamentalopposition.

Rentenpolitik

Die Rentenpolitik ist naturgemäß kein Politikfeld indem man viel Gewinnen kann, sie ist aber für alle Menschen relevant, auch wenn sie noch weit vom Renteneintrittsalter entfernt sind. Ein nicht unerheblicher Teil des Einkommens geht durch die Rentenbeiträge verloren (bzw. wird umverteilt). Durch die demographische Entwicklung wird dieser Politikbereich immer wichtiger. 17% der Deutschen sehen das auch so und halten das Rententhema für das wichtigste politische Thema (Deutschlandtrend im Juli 2017). Die Lösungen und Konzepte der Parteien sind hier sehr verschieden.

CDU

  • Rentenbeiträge auch über 2020 hinaus stabil halten
  • Renteneintritt ab 67
  • Festhalten an den derzeitigen Beschlüssen

SPD

  • Gesetzlich festgelegtes Rentenniveau von mindestens 48 Prozent und
    Beitragssatz von maximal 22 Prozent
  • Renteneintritt ab 65 nach 45 Versicherungsjahren
  • Solidarrente (min. 10% über Grundsicherung) nach 35 Beitragsjahren
  • gesetzliche Rentenversicherung auch für Selbstständige

Grüne

  • Rentenniveau bei 45 Beitragsjahren mindestens 50% über der Grundsicherung
  • steuerfinanzierte Garantierente bei mehr als 30 Beitragsjahren oberhalb der Grundsicherung (ohne Anrechnung weiterer Rentenansprüche wie zum Beispiel einer privaten Rentenversicherung)
  • Bürgerversicherung (alle Bürger zahlen ein)
  • Rentensplitting (Rentenpunkte werden auf beide Partner aufgeteilt)

AfD

  • Rentenerhöhung von Eltern
  • abschlagsfreie Rente ab 45 Betragsjahren

FDP

  • Riester-Förderung für alle
  • Renteneintritt schon ab 60 (falls Rente über Grundsicherung zu diesem Zeitpunkt)
  • Hinzuverdienstgrenzen neben dem Rentenbezug abschaffen
  • Vorsorgekonto (Übersicht über alle Rentenansprüche) bei einer zentralen Stelle

Linke

  • Rentenniveau auf 53% erhöhen
  • solidarische Mindestrente von 1.050 Euro
  • Rente ab 65 oder nach mindestens 40 Beitragsjahren ab 60 Jahren
  • Erwerbstätigenversicherung (alle sind in gesetzlicher Rentenversicherung, auch Beamte und co.)
  • keine Zulagen für Riesterrente
  • Mütterrente (3 Punkte pro Kind)
  • staatliche Rentenbeiträge für ehrenamtliche Tätigkeiten
  • Beitragsbemessungsgrenze aufheben

Fazit: Die SPD legt meiner Meinung nach das genauste Rentenkonzept vor. Die Union will im Wesentlichen an den bestehenden Regelungen festhalten. Die größten Veränderungen wollen die Linken vornehmen. Besonders der Vorschlag auch die Beamten und Selbstständige mit einzubeziehen finde ich sehr gut. Den Vorschlag der FDP nach einem Vorsorgekonto, also einer zentralen Stelle, bei der alle Rentenansprüche (gesetzlich und privat) erfasst werden und jederzeit abrufbar sind, finde ich auch sehr gut. Dies würde den Menschen helfen sich einen Überblick über ihre zukünftigen Rentenansprüche zu verschaffen.

Ansonsten finde ich 45 Beitragsjahre schon recht viel. Angenommen jemand hat mit 18 angefangen zu arbeiten, dann hätte er mit 63 Jahren seine 45 Beitragsjahre voll. Er dürfte aber nicht zwischendurch mal arbeitslos gewesen sein. Akademiker die oftmals erst mit 25 oder 30 anfangen zu arbeiten, haben hier überhaupt keine Chance. Ich wäre also für 63 als Renteneintritt bei mindestens 40 Beitragsjahren, ansonsten abschlagsfrei ab 65. Wobei ich auch den FDP Vorschlag ganz nett finde, dass man ab 60 in Rente gehen kann, wenn die Rente über der Grundsicherung liegt.

Finanzpolitik

Bei der Finanzpolitik geht es hauptsächlich um die Besteuerung von Einkommen. Vor allem der Spitzensteuersatz, eine mögliche Vermögenssteuer und die Erbschaftssteuer sind Streitpunkte zwischen den Parteien. Im Deutschlandtrend vom Juli 2017 geben immerhin 68% der Befragten an, dass die Steuern für hohe Einkommen steigen sollten (26% sind für gleich bleiben). Bei den mittleren Einkommen sind 64% für gleich bleiben und 32% für sinken. 77% der Befragten hätten gerne niedriger Steuern für niedrige Einkommen (21% gleich bleiben). Wobei hier nicht genau definiert ist, was niedrige, mittlere und hohe Einkommen genau sind. Kommen wir aber mal zu den Forderungen der Parteien.

CDU

  • Keine Steuererhöhungen
  • Solidaritätszuschlag ab 2020 schrittweise abschaffen
  • Senkung der Einkommenssteuer um 15 Milliarden
  • Spitzensteuersatz ab 60.000 Euro Jahreseinkommen
  • 25 Euro mehr Kindergeld, Erhöhung der Freibeträge
  • Baukindergeld in Höhe von 1.200 Euro je Kind und Jahr (für die ersten 10 Jahre)
  • Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer für Erwachsene und Kinder
  • Keine Änderungen bei der Erbschaftssteuer, keine Vermögenssteuer

SPD

  • Familientarif mit Kinderbonus (Aufteilung des Einkommens auf den Partner bis 20.000 Euro; 150 Euro Bonus pro Kind (Abzug von Steuerlast pro Partner und Jahr))
  • Abschaffung des Solidaritätszuschlages für Einkommen bis 52.000 Euro (104.000 Euro bei Ehepartnern)
  • Spitzensteuersatz auf 45 Prozent anheben, greift ab einem Einkommen von 76.200 Euro
  • Reichensteuer von 3% ab Einkommen von 250.000 Euro
  • steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern auf 500.000 Euro begrenzen

Grüne

  • Spitzensteuersatz ab 100.000 Euro anheben
  • Ehegattensplitting abbauen, dafür Förderung von Kindern und Familien ausweiten
  • Vermögensbesteuerung (Vermögensteuer, Erhöhung Erbschaftssteuer)
  • ökologisch schädliche Steuersubventionen abbauen

AfD

  • Erhalt des Bargelds
  • keine Bankenunion
  • Absenkung der Mehrwertsteuer um 7 Prozentpunkte
  • Abgabenbremse auf 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
  • statt Ehegattensplitting Einführung von Familiensplitting (Verteilung des Einkommens auf alle Familienmitglieder)
  • Abschaffung der Erbschaftsteuer
  • keine Vermögenssteuer

FDP

  • Ehegattensplitting beibehalten
  • Gesamtbelastungsgrenze von 50% des Bruttoinlandsproduktes
  • Abschaffung des Solidaritätszuschlags bis Ende 2019
  • Ablehnung der Vermögensteuer
  • Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer von bis zu 500.000 Euro
  • Insolvenzordnung für Gebietskörperschaften

Linke

  • Vermögensteuer für Vermögen über 1.000.000 Euro (in Höhe von 5% mit gewissen Freibeträgen)
  • monatlicher Grundfreibetrag von 1.050 Euro
  • Reichensteuer (60 Prozent auf die Teile des Einkommens oberhalb von 260.000 Euro und 75 Prozent bei mehr als einer Million Euro)
  • steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern auf 500.000 Euro begrenzen
  • Körperschaftsteuer auf 25%
  • Finanztransaktionssteuer von 0,1%
  • Einkommen unter 12.600 Euro im Jahr sollen steuerfrei bleiben
  • Abschaffung der Abgeltungssteuer
  • Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 53% (ab 70.000 Euro Einkommen)
  • Abschaffung des Ehegattensplittings

Fazit: Die SPD, Grüne und Linke setzen in der Steuerpolitik hauptsächlich auf Umverteilung. Für einen Teil der Arbeitnehmer sollen die Steuern erhöht werden, damit sie für eine andere Gruppe gesenkt werden können. Dies hat wahrscheinlich auch einiges mit der Zielgruppe der beiden Parteien zu tun, die versuchen Menschen mit geringerem Einkommen anzusprechen. Die Union möchte eine pauschale Steuersenkung und eine konkrete Unterstützung von Familien umsetzen. Dies will die AfD zwar auch, aber mit ihrer Forderung nach einer Absenkung der Mehrwertsteuer um 7% macht sie sich völlig unglaubwürdig. Kosten einer solchen Senkung wären ungefähr 59 Milliarden Euro jährlich.

Insgesamt sind die Vorstellungen der Union gegenüber der SPD einen Tick konkreter. Besonders gefällt mir die geplante Unterstützung von Familien mit Kindern.

Flüchtlinge und Migration

Wohl das Aufregerthema der letzten Jahre. Immerhin 44% der Deutschen finden, dass dies das wichtigste Thema im Wahlkampf ist (Deutschlandtrend im Juli 2017). Dieses Thema wird uns auch noch die nächsten Jahre beschäftigen. Deshalb sind nachhaltige Lösungen nötig. Hier unterscheiden sich die Positionen der einzelnen Parteien doch erheblich.

CDU

  • Schleuser bekämpfen
  • Abkommen mit den afrikanischen Mittelmeerländern
  • Mehr sichere Herkunftsländer
  • Schnellere Abschiebungen
  • doppelte Staatsbürgerschaft soll Ausnahme bleiben; keine Wahlmöglichkeit von Kindern deren Eltern in Deutschland geboren sind
  • europäische Lösung in der Flüchtlingsfrage
  • Grenzschutzagentur Frontex stärken
  • Zuwanderungsgesetz für Fachkräfte

SPD

  • Flüchtlinge innerhalb Europas solidarisch verteilen
  • Außengrenzen vor illegalen Grenzübertritten schützen (aber keine Zurückweisung an der Grenze)
  • Asylverfahren grundsätzlich auf europäischem Boden
  • temporäre Aussetzung des Familiennachzugs nicht verlängern
  • Zahl der freiwilligen Rückkehrer erhöhen
  • Einwanderungsgesetz mit Punktesystem
  • doppelte Staatsbürgerschaft erhalten

Grüne

  • Beschleunigte Anerkennungsverfahren
  • Öffnung von Sprach- und Integrationskursen für Asylsuchende
  • Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes
  • angemessene medizinische und psychosoziale Versorgung von Flüchtlingen
  • leichterer Familiennachzug (ohne Sprachtests)
  • Möglichkeit der sicheren und legalen Einreise nach Europa
  • Schaffung eines zusätzlichen Einwanderungsmodells (Punktemodell)
  • Zulassung des Kommunalwahlrechts für Migranten

AfD

  • Grenzen schließen (Zäune und andere Grenzsicherungsmaßnahmen)
  • sofortige Rückführung abgelehnter Asylbewerber
  • Sachleistungen vor Geldleistungen
  • Änderung des Grundgesetzes und der Genfer Flüchtlingskonvention
  • kein Familiennachzug
  • Sozialleistungen für EU-Ausländern erst nach vier Betragsjahren
  • keine doppelte Staatsbürgerschaft

FDP

  • Doppelte Staatsangehörigkeit soll grundsätzlich möglich sein
  • eigener Status und begrenztes Aufenthaltsrecht für Kriegsflüchtlinge
  • schnelle Asylentscheidungen in Registrierungszonen
  • europäischer Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge
  • Punktesystem für normale Einwanderung
  • Englisch als ergänzende Verkehrs- und Arbeitssprache in Behörden

Linke

  • Stopp der Abschiebungen, Bleiberecht für alle
  • unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für bisherige “Illegale”
  • sichere Fluchtwege
  • Arbeitserlaubnis nach drei Monaten
  • Frontex muss abgeschafft und durch eine koordinierte Seenotrettung in europäischer Verantwortung ersetzt werden
  • Finanzierung und Ausbildung der libyschen Küstenwache wird eingestellt
  • keine Abweisung von Flüchtlingen
  • freie Wahl des EU-Mitgliedsstaates durch den Flüchtling (Ausgleich durch finanzielle Mittel)
  • doppelte Staatsbürgerschaft
  • nach drei Jahren legalem Aufenthalt Rechtsanspruch auf Einbürgerung
  • aktives und passives Wahlrecht für Migranten
  • Familiennachzug nicht behindern (keine Deutschtests, keine Beschränkung auf nahe Verwandte)
  • Residenzpflicht, Wohnsitzauflagen und die Unterbringung in Sammellagern abschaffen

Fazit: Im Bereich der Migrationspolitik bilden (wie erwartet) die Linken und die AfD zwei total gegensätzliche Lager. Auf der einen Seite “Bleiberecht für alle” und auf der anderen “Grenzen schließen”. Die anderen Parteien ordnen sich dazwischen ein. Hier sollte aber auch angemerkt werden, dass in der Diskussion stärker zwischen Asylbewerbern und normalen Migrationswilligen unterschieden werden sollte. Für die zweite Gruppe fände ich ein Punktesystem nach kanadischen Vorbild gut. Hier geht es um gezielte Zuwanderung von Leistungsträgern. Asyl ist dagegen ein Grundrecht und muss davon unterschieden werden. Erstmals hat auch die CDU die Forderungen nach einem Zuwanderungsgesetz in einem Wahlprogramm aufgenommen.

Außenpolitik

Außenpolitisch bestimmen seit Jahren Krisen die Nachrichten (war es überhaupt schon mal anders?). Neben diversen europäischen Problemen, sind vor allem die Verhältnisse zu Russland, den USA und der Türkei ein Dauerthema. Für mich ist aber auch das Verhältnis zu Israel ein entscheidender Punkt.

CDU

  • Unterstützung einer europäischen Verteidigungsunion und eines europäischen Verteidigungsfonds
  • keine europäische Vergemeinschaftung der Schulden
  • Kein EU-Beitritt der Türkei
  • Enge Zusammenarbeit mit Frankreich
  • Eintritt für Existenzrecht und Sicherheit Israels
  • Bevorzugen die Zwei-Staaten-Lösung

SPD

  • Mehr europäischer Zusammenhalt und Solidarität
  • europäische Sozialunion
  • Wirtschaftsregierung für den Euro-Raum
  • gesamteuropäische Sicherheitspolitik
  • Kooperation und Arbeitsteilung auf dem Weg zu einer europäischen Armee
  • Weiterführung der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei (außer sie führen die Todesstrafe ein)
  • Kompetenzen des Europäischen Parlamentes ausweiten
  • Eindämmung der Rüstungsexporte
  • Zwei-Staaten-Modell im Nahost-Konflikt
  • 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommen für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Grüne

  • Restriktiveres Rüstungsexportgesetz
  • Stärkung der internationalen Organisationen
  • Arbeit der OSZE besser unterstützen
  • 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommen für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

AfD

  • Ständiger Sitz Deutschlands im UN-Sicherheitsrat
  • wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland vertiefen
  • EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beenden

FDP

  • Drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für internationale Sicherheit
  • Förderung des Freihandels
  • weitere Sanktionen gegen Russland
  • uneingeschränktes Bekenntnis zur NATO
  • Zwei-Staaten-Modell im Nahost-Konflikt
  • EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beenden

Linke

  • Keine Waffenexporte und Auslandseinsätze der Bundeswehr
  • keine Freihandelsabkommen
  • 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommen für Entwicklungszusammenarbeit
  • US- und NATO-Infrastruktur in Deutschland beseitigen
  • die Bundesrepublik soll aus den militärischen Strukturen der NATO austreten
  • schrittweise Abrüstung der Bundeswehr
  • Europäisches Parlament muss Initiativrecht bekommen
  • Kompetenzen des Europäischen Parlamentes ausweiten

Fazit: Außenpolitisch gibt es keine Überraschungen. Die Parteien unterscheiden sich in den gewohnten Punkten. Dies betrifft vor allem das Verhältnis zur Türkei, zu Europa und zu Russland. Lediglich bei der Frage nach der Lösung des Nah-Ost-Konflikts sind sich alle einig. Hier setzen alle Parteien auf eine Zwei-Staaten-Lösung. Die besondere Verantwortung für Israel wird nur von der Union extra betont.

Gesamtfazit

Insgesamt macht diese Übersicht deutlich, dass durchaus ein teilweiser großer Unterschied zwischen den Parteien besteht. Ich konnte natürlich nur einen Auszug von Politikfeldern betrachten. Aber schon hier wurde deutlich, dass die Unterschiede, zum Beispiel in der Finanzpolitik, doch erheblich sind. Es ist also nicht egal wen man im September wählt. Auch wenn natürlich keine der Parteien alle ihrer Vorhaben umsetzen können wird, da sie in den Koalitionsverhandlungen Kompromisse eingehen muss. Ich hoffe mal, ich konnte euch etwas den Inhalt der Wahlprogramme nahe bringen.

[likertm id=8]

 


Wie hat dir der Artikel gefallen? 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Bewertungen)

Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.