Sicher im Internet surfen

Eine ganze Zeit lang war das sichere Surfen im Internet ein recht großes Thema. Besonders durch Snowden ist das Thema auf die Titelseiten und damit auch ins Bewusstsein der Leute gekommen. Diese Aufmerksamkeit hat in letzter Zeit etwas nachgelassen. Eigentlich höre ich auch nur noch Stimmen, dass man gegen Überwachung von google und co. eh nichts machen könne. In gewissen Maße stimmt das sicher. Wenn ein großer Konzern oder eine Behörde einen ausspionieren möchte, dann wird das sicher gelingen. Aber ist es gleich ein Grund aufzugeben? Die Frage ist doch: Warum sollte google mit viel Aufwand genau eine Person ausspionieren wollen? Bei Datensammelkraken geht es eigentlich immer um eine einfache und massen-kompatible Ausspähung. Ein großer personalisierter Aufwand ist nicht rentabel. Hier kann man ansetzen und sich der Überwachung durch die Internetkonzerne entziehen.

Anders ist die Situation mit staatlichen Behörden. Es gibt hier zum einen die anlasslose Speicherung von Daten. Diese ist noch recht gut umgehbar (wobei hier sich dann die Frage stellt, ob man sich damit verdächtig macht…). Staatliche Akteure haben aber möglicherweise auch ein gezieltes Interesse an einer einzelnen Person. Hier ist Schutz vor Überwachung dann schon viel schwerer. Sie gelingt meist nur, weil die zuständigen Behörden überlastet sind und nicht alle Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen, auch einsetzen können.

Im folgenden möchte ich euch ein paar Tipps geben, mit denen ihr euch sicherer im Netz bewegen könnt. Sie kann euch vor Überwachung im Netz durch Internetkonzerne schützen oder diese Überwachung zumindest erschweren.

Selektiv Dienste im Web nutzen

Die erste Grundregel im Netz ist: “Es gibt nichts kostenlos!”. Von dieser Regel gibt es natürlich ein paar Ausnahmen. Zum Beispiel ist dieser Blog kostenlos. Ich verkaufe nicht eure Daten. Anders sieht das bei Suchmaschinen oder E-Mail-Diensten aus. Sie bieten euch ihren Service nicht aus Nächstenliebe an. Ihr müsst ihn bezahlen. In der Regel erfolgt diese Bezahlung durch eure Daten. Nahezu zu jedem Dienst im Internet gibt es allerdings auch Alternativen. Bei E-Mails empfehle ich posteo.de. Hier bezahlt ihr für eine E-Mail-Adresse einen kleinen monatlichen Beitrag (im Moment 1€). Dafür ist die Seite komplett werbefrei und es werden auch keine Werbebotschaften an eure E-Mails angehängt. Posteo legt einen hohen Wert auf Datensicherheit und verkauft eure Daten nicht.

Statt google als Suchmaschine könnt ihr zum Beispiel auf startpage.com, Ixquick oder DuckDuckGo zurückgreifen. Auf der Seite prism-break.org könnte ihr eine ganze Reihe weiterer Seiten und Programm finden, die Rücksicht auf eure Privatsphäre nehmen.

Firefox-Einstellungen

Firefox bietet einige Möglichkeiten mit denen ihr eure Internetspuren geringer halten könnt. Die wichtigste Einstellung betrifft Cookies. Ruft dazu das Einstellungsfenster auf (einfach about:preferences in die Adresszeile eingeben) und geht zu Datenschutz&Privatsphäre. Hier sollte ihr bei Chronik das Anlegen auf “Benutzerdefiniert” umstellen und dann bei Cookies von Drittanbietern “Nie” und bei Behalten bis “Firefox geschlossen wird” einstellen. Im Abschnitt “Schutz vor Aktivitätenverfolgung” bei beiden Fragen “immer” anklicken.

Auf der Website https://panopticlick.eff.org/ könnt ihr einen Test durchlaufen lassen, wie sehr ihr im Netz verfolgbar seid und auf der Seite https://amiunique.org geht es um euren digitalen Fingerabdruck. Auf dieser Wiki-Seite findet ihr noch viele weitere Plugins und Tipps.

Dort wird auch die Option privacy.resistFingerprinting aus den Firefox Einstellungen erwähnt. Und so könnt ihr sie aktivieren:

  1. In der Adresszeile des Firefox about:config eingeben
  2. Im Suchen-Feld privacy.resistFingerprinting eingeben
  3. Den Wert von false auf true stellen.

Mit dieser Einstellung werden die Parameter eures Fingerabdrucks bei jedem Start verändert. Dadurch werdet ihr schwerer im Netz verfolgbar.

Firefox-Plugins

Firefox bring mit dem privaten Modus schon einen Modus mit, der einige Verfolgungsmöglichkeiten verhindert. Aber der private Modus verhindert hauptsächlich Spuren auf dem eigenen Rechner. Man benötigt somit zusätzlich noch einige Plugins. Für Firefox gibt es eine ganze Reihe von Plugins, die eure Spuren im Netz verschleiern oder dies zumindest versuchen. Ich kann euch hier nur eine unvollständige Liste geben. Zunächst solltet ihr euch Ghostery installieren. Dieses Plugin unterbindet eine ganze Reihe von Trakern.

Eine weitere nützliche Erweiterung ist HTTPS Everywhere. Sie sorgt dafür, dass du immer auf die https-Version der Website weitergeleitet wirst. Dadurch werden alle Daten zwischen deinem Rechner und der Website nur verschlüsselt übertragen.

Gegen die Verfolgung eurer Aktivitäten im Netz mittels eurem elektronischen Fingerabdruck sind diese Methoden aber nicht brauchbar. Dazu müsst ihr flash und JavaScript abschalten. Mittels des Plugins noScript ist die problemlos möglich. Das Problem ist nur, dass die meisten Websites nicht ohne JavaScript funktionieren oder das Surferlebnis stark eingeschränkt wird.

VPN verwenden

Standardmäßig weiß euer Internetanbieter welche Websites ihr besucht. Er könnte mit diesen Informationen umfangreiche Profile von euch erstellen. Einkaufsgewohnheiten, Hobbys, Kreditfähigkeit usw. Diese Daten könnte er dann verkaufen. Um dies zu vermeiden, könnt ihr zum Beispiel das TOR-Netzwerk verwenden. Es hat allerdings den Nachteil, dass es ziemlich langsam ist und sich für den normalen Surf-Alltag oder sogar Streaming nicht eignet. Eine bessere Alternative sind da VPN-Verbindungen zu einem Server über den dann der ganze Internetverkehr läuft. Die aufgerufenen Websites sehen nur noch die IP-Adresse des Servers und auch euer Internetanbieter sieht nur noch noch die eine Verbindung zum VPN-Server. Nachteil dieser Möglichkeit ist allerdings, dass hier monatliche Kosten für den VPN-Anbieter anfallen. Sie liegen so zwischen 2 und 12 Euro pro Monat.

Es gibt eine ganze Reihe von VPN-Anbietern auf dem Markt. Sowohl der Funktionsumfang als auch die Preise schwanken teilweise erheblich. Hier ein paar Hinweise auf was ihr achten solltet:

  • Der Anbieter sollte keine log-files anlegen.
  • Verbindung über OpenVPN.
  • Anbieterstandort nicht in den USA, Großbritannien und anderen Staaten der Five-Eyes, Russland, China. Ihr könnt euch etwas an dieser Karte hier orientieren.
  • Möglichst viele Server in möglichst vielen Ländern. Bedenkt bei der Serverwahl aber immer, dass je weiter der Server von euch weg steht, desto langsamer ist die Verbindung. Ich würde Server in Schweden empfehlen. Sie haben ein gutes Datenschutzniveau und die Anbindung nach Deutschland ist sehr gut.

Im Internet findet ihr eine ganz Reihe von Vergleichsseiten. Bitte beachtet aber, dass nicht alle Seiten alle Anbieter auflisten (da nur manche Anbieter Empfehlungsprogramme haben und es somit interessant ist diese Anbieter zu listen). Die Seite vpnvergleich.net bietet eine ganz gute Übersicht. Empfehlen kann ich NordVPN* oder auch ExpressVPN.

Die meisten Anbieter bieten eine eigene Software für Windows und Android an, in der ihr auch alle Besonderheiten des Anbieters nutzen könnt. Unter Linux sieht es da schon etwas schlechter aus. Meist ist nur die normale VPN-Verbindung über OpenVPN möglich.

Habt ihr euren VPN-Zugang eingerichtet, solltet ihr noch prüfen ob alle DNS-Anfragen auch an den VPN-Anbieter gehen und nicht noch andere Server verwendet werden (dies würde dazu führen, dass alle eure Aktivitäten geloggt werden könnten). Besucht dazu die Seite https://dnsleaktest.com/ und lasst den Test durchlaufen. Bei Problemen hilft euch das Stichwort “DNS-leak” bei startpage.com weiter.

Referrer abschalten

Wenn ihr auf einen Link auf einer Webseite klickt, wird der aufgerufenen Website durch ein Feld im http-Header mitgeteilt von welcher Website ihr kommt. Klickt ihr zum Beispiel in einem Artikel meines Blogs auf einen Link, sieht die aufgerufene Website dass ihr von meinem Blog kommt. Diese Information wird für statistische Zwecke meist auch gespeichert. Die Herkunfts-URL kann aber auch eine ganze Reihe von Informationen preisgeben.

Im privaten Modus von Firefox wird diese Information nicht weitergegeben. Möchte man sie auch im normalen Betrieb unterdrücken, muss die Einstellung manuell vorgenommen werden. So gehts:

  1. In der Adresszeile des Firefox about:config eingeben
  2. Im Suchen-Feld network.http.sendRefererHeader eingeben
  3. Den Wert von 2 (immer senden) auf 0 (nie senden) stellen.

Zusammenfassung

Durch einige wenige Dinge kann man seine eigene Nachverfolgbarkeit im Netz schon etwas verbessern. Es gibt natürlich keinen perfekten Schutz, aber man kann es den Internetkonzernen zumindest etwas schwerer machen


*Beim Abschluss eines Vertrages über diesen Link erhalte ich von NordVPN eine kleine Provision. Diese hilft mir diesen Blog zu betreiben.


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