Rezession in Sicht!?! – Eigene Finanzen krisensicher machen

Gewitter

Langsam aber sicher werden die Wirtschaftsdaten auch in Deutschland immer schlechter. Für dieses Jahr wird nur noch mit einem Wachstum des BIP von 0,5% gerechnet. Die gesamte Euro-Zone wird voraussichtlich nur um 1,3% wachsen. Hinzu kommen noch der Handelskonflikt der USA mit China und Europa, der sinkende Fahrzeugabsatz, der anstehende Brexit und die schwächelnde Wirtschaft in China, welche weitere Risikofaktoren für die Wirtschaft sind. Auch die Inflation hat mittlerweile merklich angezogen. Ist jetzt Zeit für Panik? Das nicht, aber aus diesen Gründen lohnt der Blick auf die eigenen Finanzen um sie möglichst krisenfest zu machen.

IST-Analyse erstellen

Falls noch nicht geschehen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt eine IST-Analyse der eigenen Finanzen zu erstellen. Hier werden alle Investitionen, Vermögensbestände und Schulden erfasst und am besten in einer Excel-Tabelle notiert. Bei diesem Schritt geht es darum, einen möglichst guten Überblick über die eigene finanzielle Situation zu erhalten.

Auch kapitalbildende Versicherungen, wie Riesterrente oder Lebensversicherungen, gehören mit in die Auflistung. Als Wert wird des derzeitige Rückkaufswert eingetragen.

Um eine gewisse Übersichtlichkeit herzustellen, empfiehlt es sich, die Anlagen in Risikoklassen einzuteilen. Ich bevorzuge dabei drei Klassen:

  • Klasse +: Geringes Risiko (Tagesgeld und Festgeld in Deutschland)
  • Klasse ++: Mittleres Risiko (Gold, Anleihen, ETFs)
  • Klasse +++: Hohes Risiko (p2p-Kredite, Einzelaktien)

In der nachfolgenden Tabelle habe ich eine Bewertung der verschiedenen Anlageformen vorgenommen. Die Spalte Risikoklasse gibt die Zuordnung der Anlageform zu einer der 5 Risikoklassen an, wie sie auch von Verbraucherschützern verwendet werden. Die konkrete Risikoklasse hängt meist aber vom konkreten Anlagegegenstand ab (eine deutsche DAX-Aktie ist in einer anderen Risikoklasse wie die argentinische Goldminenaktie).

Die IST-Analyse sollte möglichst gewissenhaft durchgeführt werden und regelmäßig aktualisiert werden. Sie ist die Basis für alle Investitionsentscheidungen und hilft bei der Identifikation von Risiken. Sie ist für mich der wichtigste Schritt bei der Organisation der eigenen Finanzen.

Tagesgeld und co.

Sichere Anlagen wie Tagesgeld sollten möglichst bei Banken in Ländern angelegt sein, die recht stabil sind. Durch verschiedenen Plattformen konnte man in den letzten Jahren recht einfach in anderen Ländern anlegen und etwas mehr Zinsen auf seinen Einlagen bekommen. Ich bin aber der Meinung, dass die höheren Zinsen nicht das erhöhte Ausfallrisiko kompensieren.

Ich werde Tagesgeld deshalb nur in Deutschland anlegen, auch wenn die Zinsen hier quasi nicht vorhanden sind. Das Tagesgeld dient für mich aber nicht zur Renditeoptimierung, sondern ist die Liquiditätsreserve für ungeplante größere Ausgaben oder Arbeitslosigkeit. Deshalb ist mir hier eine sichere Anlage wichtiger als 0,2% mehr Zinsen. Diese Reserve sollte mindestens 2-3 Nettomonatsgehälter betragen.

Wenn man fest von einer Rezession ausgeht, kann man den Tagesgeldbestand auch deutlich zu Lasten risikoreicherer Anlageformen erhöhen und auf mehrere Banken verteilen.

Aktien und ETFs

Bei Aktien und ETFs kommt es ganz darauf an, was man für eine Anlagestrategie verfolgt. Bin ich auf langfristige Ziele ausgerichtet, dann ist eine Rezession mehr eine gute Gelegenheit für günstige Nachkäufe von Qualitätsaktien bzw. ETFs. Besonders bei Einzelaktien empfiehlt es sich aber noch vor der Rezession zu überprüfen ob das Geschäftsmodell der Firma noch zukunftsfähig ist und wie viele Risiken vorhanden sind. Eventuell macht es Sinn, sich von einigen Aktien zu trennen und das Geld auf einem Tagesgeldkonto zu parken, bis sich gute Kaufmöglichkeiten ergeben.

Historisch gesehen gab es an der Börse immer ein auf und ab. Besonders Kriege und Rezessionen haben ihre Spuren hinterlassen. Gut lässt sich dies an dem historischen Verlauf des DAX sehen. Die nachfolgende Abbildung zeigt eine Zurückrechnung des DAX bis ins Jahr 1840. Am Verlauf sind gut die beiden Weltkriege, das Platzen der NewEconomy-Blase sowie die letzte Finanzkrise zu sehen. Hier kann man auch gut erkennen, dass es an der Börse bei langfristigen Anlagen vor allem darauf ankommt, dass man nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt verkaufen muss, sondern abwarten kann.

Von Jashuah – Own work by uploader, data from Global Financial Data and Deutsche Bundesbank, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20336638

Zusammenfassend kann man sagen, dass in Aktien und ETFs nur so viel Geld angelegt sein sollte, so dass man im Zweifel darauf verzichten könnte, bzw. auch Jahre warten könnte, bis man es Verkaufen kann. Bei Aktien ist es immer schlecht, wenn man sie zu einem gewissen Zeitpunkt verkaufen muss.

Gold

Gold wird immer als die Krisenvorsorge schlechthin bezeichnet. In einer normalen Rezession kann Gold diese Eigenschaft aber nicht erfüllen. Auch ist fraglich, ob in einer wirklichen Krisensituation Gold als Zahlungsmittel überhaupt verwendet werden kann. Vielleicht sind dann andere Sachen wie Honig oder andere Tauschgüter viel wertvoller. Die Frage nach Gold zur Risikovorsorge ist aber eine sehr emotionale Frage und ist jedem selbst überlassen. Ich würde, wenn überhaupt, nur einen sehr geringen Prozentsatz meines Vermögens in Gold anlegen.

Von Realterm – Eigenes Werk[1], CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8730238

p2p-Kredite

Bei p2p-Krediten wird es sehr spannend werden. Sie sind noch eine sehr junge Anlageform und habe noch keine Rezession überstehen müssen. Ich rechne in diesem Bereich mit der Schließung von einigen Plattformen und doch größeren Verlusten bei einigen Anlegern. Im Moment ist aber nicht abzusehen, bei welchen Anbietern die Verluste auftreten werden. Auch die Rückkaufgarantie, die von einigen Darlehensanbahnern angeboten wird, bietet hier keine Sicherheit.

Ich werde meine Investitionen in p2p-Kredite deshalb nicht weiter erhöhen und konzentriere mich auf Ländern, die wirtschaftlich noch besser da stehen (was natürlich keine Garantie gegen Verluste ist). Bei p2p-Krediten muss auch in guten Zeiten mit einem Totalverlust gerechnet werden, dies gilt umso mehr für schlechte Zeiten.

Schulden

Verbindlichkeiten sollten nach Möglichkeit immer zuerst abgebaut werden, bevor in risikoreiche Anlageformen investiert wird. Ist eine Rückzahlung im Moment nicht möglich, bietet es sich an die Niedrigzinsphase für eine Umschuldung zu nutzen. Hier ist natürlich genau auf die Konditionen des neuen Vertrags zu achten, was Zinssatz, Zinsbindung, Raten und Rückzahlungsdauer angeht.

Nicht alle Schulden sind “schlecht”. Man unterscheidet hier zwischen Investitionsschulden (Kauf einer Immobilie etc.) und Konsumschulden (Autokauf etc.). Insgesamt sollte man Konsumschulden aber vermeiden, da sie nur Kapital vernichten (bzw. zur Bank transferieren). Bei Investitionsschulden ist zu prüfen, ob die Sicherheit die hinterlegt wurde, auch bei einem Verfall der Hauspreise noch hoch genug ist oder ob dann noch weitere Sicherheiten hinterlegt werden müssen.

Fazit

Eine Rezession wird Portfolios mit einem hohen Aktienanteil wahrscheinlich zunächst einige Buchverluste bescheren. Wer aber für eine ausgewogene Aufteilung seiner Finanzen in sichere und unsichere Anlageformen gesorgt hat, der sollte recht gut durch die Krise kommen und die Buchverluste aussitzen können.

Wenn ihr mehr Informationen zur Organisation eurer Finanzen wollt, dann möchte ich euch noch auf meine Artikelreihe “Organisiere deine Finanzen” verweisen.



Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss
Bitte beachtet, dass diese Informationen keine Anlageberatung darstellen und meine persönliche Meinung widerspiegeln. Alle Beiträge dienen lediglich der Information. Ich übernehme keine Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Basis dieser Informationen getroffen werden. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen und andere Produkte befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Ich weiße ausdrücklich darauf hin, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen.

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