Rentenniveau und die Berechnung der Rente

Bei der Rentenpolitik werden in der Regel drei Größen prominent in den Vordergrund gerückt: Das Rentenniveau, die Beitragshöhe und das Renteneintrittsalter. Die letzten beiden Begriffe sind recht klar. Die Beitragshöhe beträgt zur Zeit 18,7%. Um das Renteneintrittsalter (auch Regeleintrittsalter) wird immer wieder gestritten.

Die größten Missverständnisse gibt es um den Begriff des Rentenniveaus. Manche denken, dass das Rentenniveau angibt, wie hoch ihre Rente im Vergleich zum letzten Nettoeinkommen ist. Dies ist aber falsch. Das Rentenniveau gibt das Verhältnis zwischen der Höhe der Standardrente (45 Jahre Beitragszahlung eines Durchschnittsverdienstes) und dem Entgelt eines Durchschnittsverdieners an. Dies ist eine rein statistische Größe und hat nur indirekt etwas mit der konkreten Rentenhöhe zu tun. Steigen die Renten in einem Jahr nicht, aber das allgemeine Lohnniveau steigt, dann fällt das Rentenniveau. Um dies zu verhindern, wird jedes Jahr die Höhe des Rentenwertes angepasst. Der Rentenwert gibt an wie viel ein Rentenpunkt in Euro pro Monat Wert ist. Der Rentenwert liegt zur Zeit bei 31,03 € im Westen  und 29,69 € im Osten.

Rentenberechnung

Um mal deutlich zu machen worauf es bei der persönlichen Rentenhöhe ankommt, möchte ich mal zeigen wie die Rente eigentlich berechnet wird. Sie wird mit der sogenannten Rentenformel berechnet.

Rente pro Monat = Entgeltpunkte * Zugangsfaktor * Rentenartfaktor * Rentenwert

Entgeltpunkte: Werden jedes Jahr berechnet. Einkommens des Versicherten geteilt durch Durchschnittseinkommen aller Versicherten im relevanten Jahr (Beispiel für 2016: Einkommen 40.000€, Durchschnittseinkommen: 36.267€ => 1,1 Rentenpunkte) Wobei maximal ein Einkommen von 76.200 € im Westen und 68.400 € im Osten angesetzt werden kann. Zusätzlich gibt es weitere Punkte für besondere Dinge (z.B. Erziehungszeiten bei Frauen).

Zugangsfaktor: Der Zugangsfaktor ist kleiner als 1,0 falls man  vor der Regelaltersgrenze in Rente geht und größer als 1,0 falls man später in Rente geht. Fall man zum Beispiel 5 Jahre früher in Rente gehen möchte, dann ist der Faktor 0,82. Wenn man im Gegensatz 2 Jahre später in Rente geht, dann ist er 1,12.

Rentenartfaktor: Ist ein Faktor, der je nach Rentenart verschieden ist. Es gibt insgesamt zehn Rentenarten in der gesetzlichen Rentenversicherung.

  1. Rente wegen Alters 1,0
  2. Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung 0,5
  3. Rente wegen voller Erwerbsminderung 1,0
  4. Rente wegen Berufsunfähigkeit 0,6667
  5. Rente wegen Erwerbsunfähigkeit 1,0
  6. Erziehungsrente 1,0
  7. kleine Witwen- beziehungsweise Witwerrenten bis zum Ende des dritten Kalendermonats nach dem Todesmonat 1,0 anschließend 0,25
  8. große Witwen- beziehungsweise Witwerrenten bis zum Ende des dritten Kalendermonats nach dem Todesmonat 1,0 anschließend 0,6 beziehungsweise 0,55
  9. Halbwaisenrente 0,1
  10. Vollwaisenrente 0,2

Beispiel: Ein Durchschnittsverdiener, der 45 Jahre gearbeitet hat und pünktlich in Rente geht, bekommt somit eine Rente in Höhe von 1.396,35 Euro (im Westen) (45 Punkte * 1,0 * 1,0 * 31,03 €/Punkt). Hier sind allerdings keine weiteren Punkte berücksichtigt, die er eventuell erworben hat. Möchte er zwei Jahre früher in Rente gehen, also nach 43 Beitragsjahren, dann ergibt sich eine Rente von 1.238,22 Euro (43 Punkte * 0,928 * 1,0 * 31,03 €/Punkt).

Um nochmal zum Rentenniveau zurück zu kommen: Für einen persönlich ist also wichtig wie viele Punkte man im Jahr bekommt und wie viel der Punkt Wert ist. Das Rentenniveau hingegen stellt eine Koppelung von Lohnentwicklung und Rentenwert da. Wobei diese Koppelung mehr eine Untergrenze ist und der Rentenwert auch nicht sinken darf (was der Durchschnittslohn durchaus kann). Ein niedrigeres Rentenniveau bedeutet somit, dass der Rentenwert langsamer steigen darf als das Durchschnittsgehalt. Aber auch das Verhältnis der Beitragszahler (und somit der Gesamtbeiträge) zu der Anzahl der Rentner und das Regeleintrittsalter sind für das Rentenniveau relevant, da die Rentenversicherung im Kern ein umlagenfinanziertes System ist.

Wenn also eine Partei die Erhöhung des Rentenniveaus fordert, dann möchte sie (bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen) den Rentenwerten überproportional erhöhen. Eine weitere Stellschraube wäre die Erhöhung des Renteneintrittsalters.  Stellschrauben bei der Finanzierung sind die Erhöhung der Rentenbeiträge und die Vergrößerung der Beitragszahlerbasis (Stichwort Selbstständige und Beamte).

Ich hoffe ich konnte etwas mehr Klarheit zum Thema Rente schaffen. Dies ist besonders wichtig, da die Rente ein zentrales Thema im Bundestagswahlkampf sein wird.

 


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