p2p-Kredite – Alles was du vor dem Anlegen wissen musst

p2p-Kredite FAQ

p2p-Kredite sind eine relativ junge Anlageform, erfreuen sich aber immer größerer Beliebtheit. Falls du mit dem Gedanken spielst in p2p-Kredite zu investieren und du noch einige offene Fragen hast oder einfach wissen möchtest was es mit diesen Krediten auf sich hat, dann ist dieser Artikel genau richtig für dich! Ich möchte hier die näher auf Fragen eingehen, die immer wieder gestellt werden. Falls du noch weitere Fragen zu p2p-Kredite hast, die nicht in der Liste abgehandelt werden, dann hinterlasse einfach einen Kommentar. Ich werde die Liste mit der Zeit immer mehr erweitern.

Grundlagen

Was sind p2p-Kredite?

Wie der Name es schon andeutet, geht es bei p2p-Krediten darum, dass Privatpersonen anderen Privatpersonen oder Unternehmen direkt Geld leihen. Um das Risiko eines Kreditausfalls zu streuen, wird aber ein Kredit nicht von einer einzelnen Person finanziert, sondern von vielen Personen. Vermittelt werden diese Kredite über eine p2p-Plattform. Oftmals geben die Nutzer dieser Plattformen den Kreditnehmern nicht direkt Geld, sondern der offizielle Darlehensgeber ist ein Unternehmen das den Kredit vorfinanziert. Welche Form der Finanzierung genau vorliegt, hängt von der jeweiligen Plattform ab.

Vorteile von p2p-Krediten sind (aus Anlegersicht):

  • Keine Gebühren
  • Hohe Renditen

Demgegenüber stehen einige Nachteile:

  • Hohes Risiko
  • Unvorhersehbar wie sich die Branche in wirtschaftlich schlechten Zeiten entwickelt
  • Keine/wenig Regulierung

Was ist der Mindestanlage-/Mindestkreditbetrag?

Der Mindestbetrag den du in einen Kredit investieren musst, variiert von Plattform zu Plattform. Bei Mintos* sind es 10€ bei Auxmoney hingegen 25€. Theoretisch könntest du dein p2p-Abenteuer also schon mit 10€ und der Investition in einem Kredit bei Mintos beginnen. So richtig Sinn macht es natürlich erst, wenn man etwas höhere Beträge investiert. Ein guter Anfang wäre z.B. 100€ bei Mintos, womit man schon in 10 Krediten investieren kann. Hat man dann einige Erfahrungen gesammelt, kann man den Betrag auch schrittweise erhöhen.

Müssen die Gewinne versteuert werden?

Gewinne aus p2p-Krediten müssen in der Steuererklärung angegeben und versteuert werden. Die Erträge gelten als Zinseinkünfte und werden mit der Abgeltungssteuer in Höhe von 25% zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer besteuert. Allerdings sind bis 801€ (Singles) bzw. 1602€ (Ehepaare) pro Jahr Zinseinkünfte steuerfrei. Die Abgabe einer Steuererklärung ist unumgänglich sobald man sich für die Investition in p2p-Kredite entscheidet. In diesem youtube-Video von “Steuern mit Kopf” gibt es mehr Infos zu dieser Thematik.

Kann ich einen Freistellungsauftrag erteilen?

Nein. Die Plattformen führen nicht automatisch Steuern an das Finanzamt ab, deshalb ist es auch nicht möglich einen Freistellungsauftrag zu erteilen. Die Einkünfte müssen in der Steuererklärung angegeben werden.

Gibt es eine Einlagensicherung?

Kurze Antwort: Nein. Das investierte Geld ist direkt an Privatpersonen oder Firmen verliehen. Können diese den Kredit nicht mehr zurückzahlen, droht ein Totalausfall. Da die Plattformen in der Regel keine Bankenlizenz haben, wäre bei einer Pleite der Plattform das nicht investierte Geld wohl weg, bzw. es würde wahrscheinlich lange dauern bis es wieder auf dem eigenen Bankkonto ist.

Komme ich jederzeit an mein Geld?

Die p2p-Kredite haben eine feste Laufzeit, während dieser ist das Geld gebunden. Die Laufzeiten reichen von 30 Tagen bis zu 5 Jahren. Allerdings können auf Plattformen mit einem Zweitmarkt Kredite an andere Investoren verkauft werden. Benötigt man schnell sein Geld, muss man eventuell hohe Abschläge in Kauf nehmen. Eine Alternative, die eine höhere Verfügbarkeit der investierten Mittel verspricht, sind die Angebote Go&Grow von Bondora* und Invest&Access von Mintos. Die Idee hinter beiden Angeboten ist die Verpackung von p2p-Krediten in ein Anlagekonstrukt, welches einem den Aufwand der Kreditauswahl abnimmt und eine gewisse Liquidität verspricht. Bei Go&Grow kann man jederzeit sein Geld wie von einem Tagesgeldkonto abheben. Bei Invest&Access ist man auf Käufer auf dem Zweitmarkt angewiesen. Außerdem können keine Kredite im Verzug verkauft werden.

Welche Plattformen sind für Anfänger geeignet?

Meiner Meinung nach sind die Plattformen Mintos* und Bondora* für Anfänger am geeignetsten. Bei Bondora kann ich besonders Go&Grow empfehlen. Bei Mintos kann mit einem gut eingestellten Autoinvest und dem Zweitmarkt erste Erfahrungen gesammelt werden. Besonders mit Mintos habe ich in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht. Beide Plattformen machen bei der Steuererklärung auch keine Probleme. Eine etwas kleinere, aber dennoch interessante Plattform ist peerberry*. Sie zeichnet sich durch eine sehr übersichtliche Oberfläche aus und ist auf jeden Fall einen Blick wert. Mit deutschen Plattformen habe ich keine guten Erfahrungen gemacht und kann sie nicht wirklich empfehlen.

Welches ist der passende Marktplatz für mich?

Eine pauschale Beantwortung dieser Frage ist leider nicht möglich. Der passende Marktplatz hängt von vielen Faktoren ab. Wenn ich zum Beispiel unbedingt bei einer deutschen Plattform anlegen möchte, schränkt das die Auswahl erheblich ein. Auch die Kreditarten in die ich investieren möchte, ob ich Wert auf einen Zweitmarkt lege oder eine Rückkaufgarantie lege, verändert die in Frage kommenden Marktplätze.

Ist die Anlage in p2p-Krediten eine passive Anlageform?

Es kommt darauf an. Man kann die Investition komplett als passive Investition angehen (z.B. mit Bondora Go&Grow). Hier überweist man sein Geld und hat keinen Aufwand mehr. Etwas mehr Aufwand hat man, wenn man die Autoinvest-Funktion der Plattform verwendet. Diese sollte regelmäßig überprüft und angepasst werden. Besitzt die favorisierte Plattform keinen Autoinvest (wie z.B. Auxmoney) oder entscheidet man sich bewusst für die manuelle Auswahl der Kredite, ist man maximal von einem passiven Invest entfernt. Wie passiv das eigene p2p-Invest ist, hängt somit von einem selbst und den Möglichkeiten der gewählten Plattformen ab. Spätestens wenn man größere Beträge investieren möchte, führt kein Weg an einer möglichst hohen Automatisierung vorbei.

Ist das Invest in p2p-Kredite unmoralisch?

Bei Zinssätzen von teilweise über 20% kommt recht schnell die Frage nach der moralischen Komponente des Investments auf. Besonders auch dann, wenn doch relativ viele Verbraucherkredite bei den p2p-Krediten dabei sind. Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er ein solches Invest mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Wenn ihr mehr über die moralische Komponente erfahren wollt, dann sei euch mein Gastartikel auf p2p-game.com mit dem Titel “P2P Kredite und die Moral bleibt auf der Stecke – mir doch egal!?” ans Herz gelegt.

Risiko und Rendite

Welche Rendite ist möglich?

Die Rendite variiert je nach Plattform und liegt meist zwischen 5% und 15%. Es sind aber auch geringere Renditen, insbesondere auch negative möglich.

Welche Risiken gibt es?

Drei Hauptrisiken sind:

  • Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers
  • Zahlungsunfähigkeit des Darlehengeber
  • Zahlungsunfähigkeit der p2p-Plattform

Das erste Risiko ist klar. Fällt der Kreditnehmer aus, ist das geliehene Geld abzüglich der bereits geleisteten Zahlungen weg. Dieses Risiko wird versucht durch Diversifikation in viele verschiedene Kredite zu minimieren. Die Idee ist, in jeden Kredit nur einen möglichst kleinen Betrag zu investieren (meist 10-25€). Wenn ein Kredit ausfällt, ist der Schaden nicht so groß. Kreditausfälle reduzieren aber immer die Rendite. In Zeiten schlechter Konjunktur könnten sich die Ausfälle häufen und so das Konstrukt ins wanken bringen.

Fällt der Darlehensgeber aus, bestehen in manchen Fällen (ja nach Plattform) die Kreditverträge mit den Kreditnehmern weiter. Wie realistisch allerdings das Eintreiben von Krediten in Georgien auf eigene Faust ist, muss jeder selbst entscheiden. Für mich ist dies das größte Risiko beim Invest in p2p-Kredite. Deshalb ist bei der Wahl der Darlehensgeber große Sorgfalt angebracht. Meines Wissens nach, gab es erst einen Ausfall eines solchen Vermittlers. Die betroffenen Anleger mussten teils große Verluste hinnehmen. Es gibt aber auch Plattformen, bei denen kein Darlehensgeber zwischengeschaltet ist.

Zudem wäre es auch denkbar, dass die p2p-Plattform geschlossen wird. Da aber alle Verträge entweder direkt mit dem Kreditnehmer oder mit dem Darlehensgeber getroffen werden, sollte dies, bis auf einen erhöhten Aufwand, keine weiteren Auswirkungen haben.

Wie viel Diversifikation ist nötig und sinnvoll?

Ein Regel zur Minimierung des Verlustrisikos und -wahrscheinlichkeit ist die Diversifikation, also die möglichst breite Aufteilung der Anlage auf mehrere Plattformen, Länder der Kreditnehmer und Darlehensgeber. Aus meiner Sicht sollte man auf 2-3 Plattformen investiert sein und dort für eine möglichst breite Streuung der Kredite sorgen. Bitte beachtet, dass manche Plattformen nur Kredite eines Darlehensgebers anbieten (z.B. viainvest), andere hingegen von vielen (z.B. Mintos). Es ist deshalb immer nötig, sich mit den Besonderheiten einer Plattform auseinander zu setzen und sein Invest entsprechend anzupassen. Auch sollte man beachten, dass bei p2p-Krediten sehr leicht eine Konzentration auf bestimmte Länder entstehen kann. Dies sollte nach Möglichkeit auch vermieden werden. Auf der anderen Seite kann man es mit der Diversifikation auch übertreiben. Mehr als 10 Plattformen sorgen nicht unbedingt für eine gute Streuung, aber auf jeden Fall für mehr Aufwand bei der Verwaltung und der Steuererklärung.

Wie hoch ist das Ausfallrisiko eines Kredites?

Pauschal ist hier keine Antwort möglich. Das Ausfallrisiko hängt von der Art des Kredites, der Landes, der Plattform und der Sicherheiten. Mintos gibt an, dass ausgefallenen Kredite mit 0,1% der Gesamtkredite ausmachen. Factoring-Kredite haben aber eine Ausfallquote von 22,6%. Viele Ausfälle werden aber hinter der Rückkaufgarantie versteckt, da diese greift sobald die Kredite 60 Tage überfällig sind.

Was ist eine Rückkaufgarantie?

Bei Krediten mit Rückkaufgarantie garantiert der Kreditanbahner einen Rückkauf des Kredites wenn er mehr als x Tage überfällig ist. Der Preis für die Rückkaufgarantie ist meist ein geringerer Zinssatz.

Wie sicher ist die Rückkaufgarantie?

Die Rückkaufgarantie ist eine weitere Sicherheit, aber man sollte sich nicht darauf verlassen, dass sie im Notfall auch greift. Im “Normalbetrieb” ist sie aber eine gute Sache, da dadurch Geld aus überfälligen Krediten schnell wieder frei wird und angelegt werden kann. Kommt aber der ganze Darlehensanbahner in Schwierigkeiten, wird auch die Rückkaufgarantie nichts bringen.

Begriffe

Was ist LTV?

LTV ist der “Loan to Value” und gibt der Verhältnis von Kredithöhe zur Sicherheit an. 100% würde bedeuten, dass die Sicherheit genauso viel Wert ist, wie der Kreditbetrag. Für Investoren ist also ein niedriger LTV besser, da er mehr Sicherheit verspricht.

Was ist “Skin in the game”?

Die Kreditanbahner vergeben nicht den ganzen Kredit an die Anleger, sondern halten einen gewissen Prozentsatz am Kredit selbst. Dieser Anteil wird “skin in the game” (Einsatz im Spiel) genannt. Der Kreditanbahner hat dadurch eine Eigeninteresse an einer reibungsloses Abwicklung des Kredites und der Rückzahlung. Je nach Plattform und Anbahner schwankt dieser Wert zwischen 0 und 20%.

Was ist ein “Extended Loan”?

Ein Extended Loan ist ein verlängerter Kredit. Der Kreditnehmer konnte nicht zum vereinbarten Zeitpunkt den Kredit zurück zahlen und der Kreditgeber hat darauf hin den Rückzahlungszeitraum verlängert. Bei Plattformen mit Rückkaufgarantie hat dies zur Folge, dass die Rückkaufgarantie vorerst nicht greift.

Was ist ein Autoinvest?

Der Autoinvest investiert automatisch euer Geld in die Kredite einer Plattform. Je nach Plattform könnt ihr mehr oder weniger detailliert einstellen, in welche Kredite ihr investieren wollt (z.B. keine Verbraucherkredite oder nur Kredite mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr). Die Einstellungen des Autoinvestors sollten mindestens einmal im Monat überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

 


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