Organisiere deine Finanzen – Kryptowährungen

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Kryptowährungen sind eine sehr spannende Anlageklasse, deshalb soll es in diesem Teil der Reihe auch um sie gehen. Ich möchte aber gleich zu Beginn erwähnen, dass sie hoch volatil sind und Anlagen in Kryptos höchst spekulativ sind. Es winken zwar hohe Gewinne, aber eben auch mindestens genauso große Verluste. Das Risiko eines Totalverlustes ist immens und es sollte nur Geld angelegt werden, auf welches man verzichten kann. Warum nehme ich also diese Anlageklasse in die Artikelreihe “Organisiere deine Finanzen” dann überhaupt mit auf, wenn sie doch nur für Zocker geeignet ist?

Ich denke, dass es gut ist, wenn man sich mit neuen Trends auseinandersetzt und seine Erfahrungen sammelt. Vielleicht ist der Hype um die Kryptowährungen und die Blockchain auch schon vorbei, es könnte aber auch sein, dass der gesamte Themenkomplex in Zukunft noch Relevanz hat. Ich möchte in diesem Artikel kurz einen Überblick über die Blockchain und Kryptowährungen allgemein geben und anschließend die zur Zeit bedeutendsten Währungen vorstellen.

Was ist eine Blockchain?

Eine Blockchain ist nichts anderes als eine Datenbank, bei der aufeinander folgende Datensätze mittels einer kryptographischen Funktion miteinander verbunden sind. Bildlich kann man sich das wie eine Kette vorstellen, woher auch ein Teil des Namens kommt. Die Glieder der Kette sind die Blöcke. Je nach Blockchain können in diesen Blöcken verschiedene Sachen enthalten sein. Immer zu finden ist aber ein kryptographischer Wert, der die Echtheit des Blockes und des Vorgängers in der Kette sicherstellt. Zusätzlich können zum Beispiel Transaktionen oder andere Daten eingebettet sein. In der nachfolgenden Abbildung ist dieses Prinzip dargestellt.

Von The Bitcoin Foundation / C rall (Diskussion) 00:08, 25. Okt. 2016 (CEST) – Bitcoin Developer Guide – Block Chain Overview / C rall (Diskussion) 00:08, 25. Okt. 2016 (CEST), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52997996

Mining

Die Blöcke der Blockchain werden beim Mining erzeugt und anschließend zur Blockchain hinzugefügt (auch Proof of Work genannt). Derjenige, der einen Block zur Blockchain hinzufügt, bekommt eine Belohnung in Form von Bitcoins (oder eben der entsprechenden anderen Kryptowährung). Mit einem neuen Block wird ein Teil der noch offenen Transaktionen bestätigt. Die Schwierigkeit beim Finden neuer Blöcke ist, dass vom Bitcoinnetzwerk ein Schwellwert (die Schwierigkeit) festgelegt wird, unter dem der Hash des Blockes liegen muss. Es müssen also sehr viele Hashwerte auf der Suche nach einem neuen Block berechnet werden. In der Anfangszeit war die Schwierigkeit noch so niedrig, dass sich das Mining mit Heim-PCs noch gelohnt hat. Mittlerweile lohnt es sich nur noch im Ausland in großen Serverfarmen mit Spezialhardware zu minen.

Je nach Kryptowährung kommen andere Hash-Funktionen zum Einsatz. So ist die Hashfunktion von Ethereum nicht auf Spezialhardware berechenbar und wird deshalb noch mit GPUs durchgeführt. In Deutschland dürfte sich Mining in keinem Fall mehr lohnen, da die Energiekosten zu hoch sind.

Fullnodes

Jeder Computer, der sich am Bitcoinnetzwerk beteiligt, wird Node genannt. Fullnodes sind dabei Knoten, die die ganze Blockchain lokal gespeichert haben (und natürlich ständig aktualisieren). Daneben gibt es noch Light-Nodes, diese laden nur benötigte Daten zum Beispiel zur Berechnung des Kontostandes auf den lokalen Rechner. Da die Gesamtgröße der Bitcoin-Blockchain mittlerweile schon fast 200 GB beträgt, ist der Betrieb eines Fullnode entsprechend speicherplatzintensiv. Außerdem ergeben sich dadurch einige rechtliche Unwägbarkeiten, da auch verbotenes Material in der Blockchain enthalten sein kann, welches mit einem Fullnode auf die heimische Festplatte wandert.

Hash-Funktionen

Ein zentraler Begriff im Zusammenhang mit Blockchains sind Hash-Funktionen. Ich zitiere Mal die Definition aus dem “Handbook of Applied Cryptography”:

Hash functions take a message as input and produce an output referred to as ahash-code,hash-result,hash-value,orsimplyhash. More precisely, a hash functionhmaps bit-strings of arbitrary finite length to strings of fixed length, saynbits.

Handbook of Applied Cryptography, by A. Menezes, P. van Oorschot, and S. Vanstone, CRC Press, 1996

Hash-Funktionen sind also zunächst einmal Funktionen, die einem Eingabewert beliebiger Länge einen Ausgabewert zuordnen. Eigenschaften von (guten) Hash-Funktionen sind dabei: eine geringe Wahrscheinlichkeit von Kollisionen, ähnliche Eingabewerte führen zu völlig verschiedenen Hashwerten, jeder Hashwert ist möglich, die Berechnung ist effizient möglich und der Speicherbedarf des Hashwertes ist kleiner als die des Schlüssels. In der nachfolgenden Abbildung ist das Prinzip zu sehen.

Von Jorge Stolfi – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6601264

Anwendung finden Hash-Funktionen in vielen Bereichen der Informatik, z.B. in Datenbanken, der Signierung von Nachrichten oder Kryptographie. Im Zusammenhang mit Blockchains kommen kryptographische Hash-Funktionen zum Einsatz. Diese beruhen auf Einwegfunktionen, das heißt mathematischen Funktionen die einfach zu berechnen sind, deren Umkehrung aber schwer zu berechnen ist. Ein einfaches Beispiel ist die Multiplikation von Primzahlen. Dies ist einfach durchführbar, die Umkehrung, die Primfaktorzerlegung, ist aber schwer. Außerdem sind kryptographische Hash-Funktionen kollisionsresistent.

Kryptowährungen

Wenn die meisten Leute Blockchain oder Kryptowährungen hören, dann denken sie an Bitcoin. Aber Bitcoin ist nur die bekannteste Kryptowährung, es gibt über 1.000 weitere Coins. Die meisten sind allerdings ohne Bedeutung und können auch nur sehr eingeschränkt gehandelt werden. Ich möchte in diesem Abschnitt kurz die wichtigsten Coins vorstellen.

Bitcoin

Bitcoin ist die wohl bekannteste Kryptowährung. Erstmals wurde das Prinzip von Bitcoin November 2008 in einem unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlichten Dokument beschrieben. Im Januar 2009 folgte dann die Referenzimplementierung. Am Anfang war sie nur Technik-Nerds bekannt und kostete nur wenige Cent. Zwischenzeitlich stieg der Kurs bis auf über 16.000 Euro an. Mittlerweile ist er auf ca. 3.500€ (Stand: 04.12.18) gefallen.

Eigentlich wurde der Bitcoin erfunden um Microtransaktionen einfach und schnell durchführen zu können. Mit zunehmender Beliebtheit der Kryptowährung stiegen sowohl die Transaktionskosten, als auch die Bestätigungszeit für eine Transaktion merklich an. Dadurch verlor er immer mehr an Praxistauglichkeit und wurde zum reinen Spekulationsobjekt.

Bitcoin Cash

Bitcoin Cash ist ein Hardfork des originalen Bitcoin. Ziel von Bitcoin Cash war es durch die Erhöhung der Blockgröße von 1MB auf 8MB mehr Transaktionen pro Zeiteinheit verarbeiten zu können. Bis zu einem bestimmten Block waren die Blockchain von Bitcoin und Bitcoin Cash identisch, so dass jeder der am 01.08.2017 Bitcoin besaß, auch automatisch Bitcoin Cash sein eigenen nennen durfte. Nach Marktkapitalisierung ist Bitcoin Cash die viertgrößte Kryptowährung.

Ethereum

Ethereum ist viel mehr als nur eine weitere Kryptowährung. Mit Ethereum werden sogenannte Smart Contracts möglich. Smart Contracts sind komplett elektronische Verträge, die automatisch ausgeführt werden, wenn eine oder mehrere Bedingungen erfüllt sind. So könnte zum Beispiel die Kurzzeitvermietung von Wohnungen (Öffnen der Wohnung, Bezahlung,…) über solche Smart Contracts abgewickelt werden. Bisher fehlen aber noch die großen konkret umgesetzten Projekte.

Durch Ethereum werden auch sogenannte DAO (Decentralized Autonomous Organization) ermöglicht. DAOs sind Organisationen, deren Struktur und Regeln digital und unveränderbar durch einen Smart Contract festgeschrieben werden. Dieser Smart Contract wird durch die Blockchain ausgeführt. DAOs kommen deshalb ohne einen Vorstand oder andere Führungskräfte aus.

IOTA

IOTA wird für die Anwendung im Internet of Things (IoT) angepriesen. Sie ist auf die schnelle und kostengünstige Transaktion zwischen Maschinen ausgerichtet. Anders als etwa Bitcoin, verwendet IOTA keine Blockchain auf Basis einer verketteten Liste. Transaktionen werden stattdessen in einem gerichteten azyklischen Graphen erfasst. In der nächsten Abbildung ist ein solcher Graph zu sehen. Jeder Knoten in diesem Graph, auch Tangle genannt, stellt eine Transaktion dar. Damit ein Teilnehmer eine Transaktion senden kann, muss er mindestens zwei Transaktionen beglaubigen. Eine Transaktion gilt als bestätigt, wenn sie von ausreichend Teilnehmern beglaubigt wurde. In der Abbildung sind die grünen Transaktionen bereits hinreichend beglaubigt, die roten haben schon Beglaubigungen, haben aber die Schwelle noch nicht erreicht und die grauen Knoten sind noch nicht beglaubigt.

Von Navinram – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60677316

Ich persönlich denke, dass die Idee hinter IOTA viel Potential hat. Allerdings wird sich dies wohl nicht in diesem Maße auf den Preis von IOTA auswirken.

Was ist eine Wallet?

Um Kryptowährungen kaufen zu können, benötigt ihr eine digitale Geldbörse, eine sogenannte Wallet. Diese kann entweder ein Programm auf eurem Computer sein, ein Konto bei einem Online-Anbieter oder ihr könnt eine Paperwallet (z.B. bitaddress) verwenden. Alle drei Varianten haben so ihre Vor- und Nachteile. Online-Wallets sind immer wieder in Verruf geraten, da sie ein beliebtes Ziel von Hackern sind. Bei der Speicherung von Kryptos auf eurem heimischen PC seid ihr natürlich für die Sicherheit (sowohl Security als auch Datensicherheit) verantwortlich.

Möchte man Kryptowährungen senden oder empfangen, benötigt man entsprechende Adressen. Eine Adresse besteht dabei immer aus einem öffentlichen Schlüssel und einem geheimen Schlüssel. Der öffentliche Schlüssel ist so etwas wie die Kontonummer und der geheime Schlüssel die PIN. Nur mit dem Unterschied, dass der Kontostand immer öffentlich ist und ihr den geheimen Schlüssel nur für Transaktionen benötigt. Verliert ihr den geheimen Schlüssel für euren öffentlichen Schlüssel, ist kein Zugriff auf die Kryptos dieses Kontos möglich. Die Generierung des Schlüsselpaares wird von der Wallet übernommen und auch dort verwaltet. Deshalb ist auch der Einsatz von Online-Wallets risikoreicher, da sie Zugriff auf die geheimen Schlüssel aller verwalteten Adressen haben.

Steuern

Bitte beachtet beim Handeln mit Kryptowährungen, dass ihr die Gewinne versteuern müsst. Dies betrifft nicht nur die Gewinne die am Ende entstanden sind, wenn ihr wieder in Euro umtauscht, sondern auch alle Zwischengewinne beim Tausch zwischen zwei Währungen. Für weitere Informationen möchte ich euch auf folgende Seite verweisen.

Literaturempfehlungen

Mein Ziel war es nicht euch in diesem Artikel in alle Details der Kryptowährungen und Blockchains einzuweihen. Vielmehr ging es mir darum, euch einen groben Überblick zu geben. Falls ihr euch intensiver mit der Thematik beschäftigen wollen, dann gibt es eine ganze Reihe empfehlenswerter Bücher. Vier von diesen Büchern möchte ich euch an dieser Stelle empfehlen.

Blockchain 2.0 – einfach erklärt – mehr als nur Bitcoin: Gefahren und Möglichkeiten aller 100 innovativsten Anwendungen durch Dezentralisierung, Smart Contracts, Tokenisierung und Co. einfach erklärt* von Julian Hosp

Die Blockchain-Revolution: Wie die Technologie hinter Bitcoin nicht nur das Finanzsystem, sondern die ganze Welt verändert* von Don Tapscott

BLOCKCHAIN FÜR ANFÄNGER: Alles was du über Blockchain, Bitcoin, Smart Contracts und Kryptowährung wissen musst (Kryptowährungen einfach erklärt, Band 1)* von Alexander Glücklich

Ethereum für Anfänger: Alles was Sie zum Thema Ethereum wissen müssen. Eine Einführung in die Welt der Kryptowährungen* von Dustin James.

Fazit

Letztendlich finde ich, dass man Kryptowährungen zur Zeit nicht wirklich als Investition im klassischen Sinn bezeichnen kann, da sie im Moment nur Spekulationsobjekte sind. Es sind fantastische Gewinne mit der Spekulation möglich, aber eben auch Totalverluste. Wenn ihr ein paar Euro übrig habt, ist es aber eine interessante Möglichkeit etwas neues auszuprobieren und viel dazu zu lernen. Zur Zeit (05.12.18) ist der Kurs der Kryptos im Vergleich sehr niedrig. Eventuell wäre jetzt ein guter Zeitpunkt um erste Versuche damit zu unternehmen.


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