Organisiere deine Finanzen – ETFs

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Im vorherigen Teil der Reihe “Organisiere deine Finanzen” ging es um Investitionen in p2p-Kredite. Heute soll es um die Geldanlage in ETFs gehen. ETFs sind eine sehr stark wachsende Anlageklasse, von 2009 bis 2017 wuchs das Anlagevermögen um 19% auf ca. 4,7 Billionen Dollar. Die ETFs beruhen auf der modernen Portfoliotheorie von Harry Markowitz, die er 1952 veröffentlichte und dafür den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. Die Idee in seiner Arbeit ist grob gesagt, dass man das Risiko bei Anlagen reduzieren kann, wenn man nur möglichst breit gestreut investiert. Dies ist auch die Idee hinter ETFs und deshalb sind ETFs bei Anlegern auch so beliebt.

Was ist ein ETF?

Exchange Trade Fonds (ETF) sind passive Aktienfonds, das heißt sie bilden einen zugrundeliegenden Aktienindex ab. So bildet zum Beispiel ein DAX-ETFs die Entwicklung des DAX ab, indem er Aktien gemäß der Werte der Unternehmen im DAX erwirbt. Es gibt auch ETFs die weltweit oder nur in Entwicklungsländern in Aktien investieren. In den letzten Jahren wurden auch immer mehr Branchen-ETFs aufgelegt, die in Aktien von Unternehmen einer bestimmten Branche, zum Beispiel Maschinenbau oder KI, investieren. Passiv bedeutet in diesem Zusammenhang, dass nicht aktiv die Aufteilung des Fonds geändert wird, sondern immer nur der zugrundeliegende Index abgebildet und je nach Wertverschiebung der einzelnen Werte, die Aufteilung angepasst wird.

ETFs werden u.a. anhand Replikationsmethode unterschieden. Bei der physischen Replikation wird die originale Zusammensetzung des Index tatsächlich erworben, das heißt es werden die Aktien der beteiligten Firmen gemäß ihres Gewichts am Index gekauft. Synthetisch replizierende ETFs halten nicht die Werte, die dem Index zugrunde liegen, sondern nutzen Derivate, um die Wertentwicklung des eigentlich zugrunde liegenden Index abzubilden und sichern diese Tauschgeschäfte mit der Hilfe eines Sicherheitskorbes ab. Eine dritte Variante ist die Teilreplikation (Sampling). Bei dieser Variante werden Aktien gekauft, die für den Index maßgeblich sind. Zusätzlich werden Einzeltitel ausgewählt die eine hohe Korrelation zum gewählten Index besitzen. Welche Replikationsmethode man bevorzugt, ist einem selbst überlassen. Physische Replikation kostet etwas mehr Gebühren, wird aber als sicherer angesehen.

Eine weitere Unterscheidung der ETFs erfolgt an der Verwendung der Dividenden der enthaltenden Aktien. Ausschüttende ETF zahlen die Dividenden an den Anleger aus. Thesaurierende ETF legen die Dividenden automatisch wieder in Aktien an. Durch den Zinseszins-Effekt haben thesaurierende ETF bezüglich der langfristigen Wertentwicklung Vorteile gegenüber ausschüttenden ETFs (vorausgesetzt man legt die ausgezahlten Dividenden nicht auch wieder an).

Vorteile und Risiken

Vorteile von ETFs sind die extrem niedrigen Kosten und die einfache Möglichkeit breit in Aktien zu investieren (ein World-ETF hält Aktien von ca. 9.000 Unternehmen). Man ist durch den ETF allerdings immer an die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Index gebunden. Fällt dieser, fällt auch der Wert des ETFs. Steigt dieser, steigt auch der Wert des ETF. Historisch gesehen haben Aktienindizes über einen längeren Zeitraum (>10 Jahre) immer Gewinn gemacht. Ob dies auch in Zukunft so sein wird, ist allerdings nicht sicher.

Hier noch eine kleine Liste mit weiteren Vor- und Nachteilen bzw. Risiken von ETFs:

Vorteile

  • Geringe Kosten (0,1-0,5% pro Jahr)
  • Hohe Diversifikation (je nach gewähltem Index)
  • Auch mit geringen Beträgen besparbar
  • Gehören zum Sondervermögen, sind also im Falle einer Insolvenz des Anbieters geschützt

Nachteile und Risiken

  • Risiko eines Wertverlusts durch die Entwicklung an den Aktienmärkten (falls man die ETFs zu dieser Zeit verkaufen muss)
  • Wertpapierleiherisiko (der ETF kann einen Teil der physisch erworbenen Aktien gegen eine Gebühr verleihen)
  • Kontrahentenrisiko (nur bei synthetischen ETFs)
  • Verleiten zu spontanen und unüberlegten Käufen

Welche ETFs besparen?

Im ersten Teil dieses Kapitels möchte ich kurz darauf eingehen, wie man für sich geeignete ETFs findet. Im zweiten Teil werde ich dann konkrete ETFs empfehlen.

Auswahlkriterien

Die Auswahl des ETFs, der gut in die eigenen Vorstellungen und das Gesamtportfolio passt, ist eine zeitintensive Aufgabe. Ich möchte euch deshalb drei Schritte an die Hand geben, mit denen ihr einen oder mehrere passende ETFs findet.

1. Schritt: Strategie

Im ersten Schritt sollte eure Anlagestrategie festgelegt werden. Dazu gehört zunächst die Anlageklasse festzulegen, bzw. die gewünschte Aufteilung in verschiedenen Anlageklassen. ETFs können nicht nur auf Aktien, sondern auch auf Rohstoffen oder Rentenpapieren basieren. Im Folgenden werde ich aber immer von Aktien-ETFs ausgehen. Die zweite strategische Entscheidung betrifft die Länder oder das Segment in das man investieren möchte. Möchte man zum Beispiel in Aktien von Industrienationen oder von Schwellenländern investieren. Oder soll ein ETF mit Fokus auf KI-Unternehmen oder Maschinenbauunternehmen mit ins Portfolio. In der folgenden Tabelle ist eine solche Aufteilung beispielhaft dargestellt.

Bei der Auswahl der Regionen und Segmente sollte man darauf achten, dass es möglichst wenig Überschneidungen gibt. So werden die meisten Hochtechnologietitel auch im Industrienationen-ETF enthalten sein. Man gewichtet somit diesen Bereich im Portfolio somit etwas über. Es sollte auch klar sein, dass je nach Feingliedrigkeit der Aufteilung, recht viele ETFs nötig sind. Viele Experten empfehlen deshalb die Aufteilung 60% in Industrieländer und 40% in Schwellenländer. Die Aufteilung hängt natürlich auch von der persönlichen Risikotoleranz ab.

Zur strategischen Entscheidung gehört auch die gewünschte Art der Ertragsverwertung. Sollen also die Dividenden automatisch wieder angelegt werden (thesaurierende ETF) oder sollen sie ausgezahlt werden (ausschüttende ETF)? Auch die gewünschte Art der Replikation oder der Ausschluss einer Replikationsart gehört zur Strategie.

2. Schritt: Auswahl der Indices

Nachdem die Strategie festgelegt ist, müssen für die geplante Aufteilung passende Indizes ausgewählt werden. Zurzeit gibt es ca. 265 Indices aus denen man auswählen kann. In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten Indices aufgeführt.

Für die meisten Anleger empfiehlt es sich in den MSCI World zu investieren. Als Ergänzung wäre noch MSCI Emerging Markets und FTSE All-World High Dividend Yield zu nennen.

3. Schritt: Auswahl der ETFs

Nachdem die Strategie und die Indices gewählt sind, kann man sich nach der Suche nach einem oder mehreren geeigneten ETFs machen. Eine gute Anlaufstelle ist dabei die ETF-Suche der Seite justetf.com. Als Inputparameter für die Suche dienen Werte aus der Strategie und der gewünschte Index. Bei der Auswahl eines ETF sind aber noch weitere Punkte zu beachten:

  • Kosten: Jährlich fallen Kosten an. Diese liegen meist zwischen 0,1 und 0,5%. Branchen-ETFs sind meistens recht teuer.
  • Fondsvolumen: Ist das Fondsvolumen zu gering ist kann es sein, dass der ETF nicht wirtschaftlich ist und deshalb eingestellt wird. Die Grenze für einen wirtschaftlichen Fond wird meist bei 100 Millionen Euro gezogen.
  • Alter: Es kommen jeden Monat neue ETFs auf den Markt. Viele werden allerdings auch wieder eingestellt. Hat der ETF ein gewisses Alter, ist von einer dauerhaften Weiterführung auszugehen.
  • Tracking-Qualität: Sie gibt Auskunft wie genau der ETF den zugrundeliegenden Index abbildet. Dieser Fehler sollte nicht zu groß sein.
  • Fondsdomizil: Als europäischer Anleger empfiehlt sich ein Fond mit Sitz in der EU.
  • Sparplanfähigkeit: Einige, aber nicht alle, ETF können monatlich bespart werden.
  • Handelskosten: Zusätzlich zu den laufenden Kosten fallen eventuell noch Handelskosten an. Viele Online-Broker bietet aber eine gewisse Auswahl an ETFs ohne Handelskosten an.

Konkrete ETFs

In diesem Abschnitt möchte ich die ETF vorstellen, in die ich investiere. Diese stellt aber keine Kaufberatung oder -empfehlung dar!

Als Welt-ETF empfehle ich den in Frankreich ansässigen Lyxor MSCI World UCITS ETF D-EUR (ISIN: FR0010315770). Dies ist ein synthetischer ETF mit halbjährlicher Ausschüttung.

Für die Entwicklungsländer den iShares Sustainable MSCI Emerging Markets SRI UCITS ETF (ISIN: IE00BYVJRP78) aus Irland. dieser ist ein thesaurierender, physischer ETF mit Gesamtkosten von 0,35%.

Wer regelmäßige Dividendenausschüttungen möchte, dem sei der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF (ISIN: IE00B8GKDB10) empfohlen. Er bietet eine quartalsweise Dividendenausschüttung.

Online-Broker wählen

Online-Broker haben viele Vorteile gegenüber dem Aktien- und ETF-Handel per Hausbank. Ich möchte euch zwei Broker empfehlen, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe und bei denen ich aktuell Kunde bin: on-vista* und flatex*. Bei beiden könnt ihr in einer ganzen Reihe von ETFs kostenlos per Sparplan investieren. Beide Broker sind in Deutschland ansässig und ihr bekommt eine entsprechende Steuerbescheinigung für eure Steuererklärung zugesandt.

Weiterführende Literatur

Dieser Artikel kann natürlich nur an der Oberfläche vieler Aspekte von ETFs kratzen. Er dient mehr dazu euch einen Überblick zu geben und euch bei den ersten Schritten mit ETFs zu helfen. Falls ihr euch noch mehr mit ETFs beschäftigen wollt, dann kann ich euch drei Bücher zu diesem Thema empfehlen:

Fazit

Mit Hilfe von ETFs ist es für Anleger möglich auch mit kleinen Beträgen am Aktienmarkt investiert zu sein, ohne hohe Kauf- und Verkaufskosten wie beim Invest in Einzelaktien in Kauf nehmen zu müssen. ETFs eigen sich aber hauptsächlich für langfristige Anlagen (>10 Jahre) und sind nicht ohne Risiko.


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Bitte beachtet, dass diese Informationen keine Anlageberatung darstellen und meine persönliche Meinung widerspiegeln. Alle Beiträge dienen lediglich der Information. Ich übernehme keine Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Basis dieser Informationen getroffen werden. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen und andere Produkte befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Ich weiße ausdrücklich darauf hin, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen.


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