Organisiere deine Finanzen – Anlagemöglichkeiten

In Gesprächen mit Freunden und Bekannten ist mir immer wieder aufgefallen, dass sie meistens keine Ahnung haben wie man Geld anlegen oder fürs Alter vorsorgen kann. Besonders Leute nach dem Studium haben oftmals viel Geld auf dem Girokonto liegen und werden dadurch oftmals verleitet es für irgendwelche nicht notwendigen Sachen auszugeben oder es irgendwelchen Beratern anzuvertrauen. “Es gibt doch eh keine Zinsen” oder “Börse ist nur was für Zocker” sind dann so die Antworten wenn ich frage warum sie es nicht selbst anlegen.

In dieser Artikelreihe möchte ich euch ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie ihr eure Finanzen besser organisieren und euer Geld verwalten könnt. Im ersten Teil soll es um die verschiedenen Anlageformen gehen, die für Privatanleger in Frage kommen. Bitte beachtet aber auch, dass diese Informationen keine Anlageberatung darstellen und meine persönliche Meinung widerspiegeln.

Grundlegendes Gesetz der Anlage

Bevor ich euch verschiedene Anlageformen näher bringen will, möchte ich euch kurz auf das Grundgesetz der Geldanlage hinweisen. Bitte behaltet es immer im Hinterkopf wenn ihr Anlageentscheidungen trefft!

Rendite und Risiko sind direkt proportional zueinander.

Oder etwas einfacher ausgedrückt: Je mehr Rendite eine Anlage abwirft, desto riskanter ist sie. Diese Regel gilt immer! Es gibt keine Ausnahme davon! Es gibt keine total sicheren Anlagen mit 8% Rendite. Bei solchen Versprechungen stimmt entweder der erste oder der zweite Teil (oder beide) nicht. Rendite kommt immer von Risiko, da gibt es keine Ausnahme!

So aber jetzt zu den Anlageformen.

Tagesgeld

Tagesgeld kommt dem klassischen Sparbuch am nächsten. Das Geld auf einem Tagesgeldkonto ist täglich verfügbar, aber es gibt nur wenig Zinsen. Bei deutschen Banken sind zur Zeit bis zu 0,52% Zinsen möglich (teilweise gibt es Bonusangebote mit 1,0% Zinsen für einen bestimmen Zeitraum). Bei ausländischen Banken können 0,6% erreicht werden. Hier steigt natürlich das Risiko, da die Einlagen nicht mehr durch die deutsche Einlagensicherung geschützt sind.

Die Suche nach dem jeweiligen besten Angebot und die Umschichtung der Geld kann recht aufwändig sein. Deshalb haben sich vor einigen Jahren Plattformen gegründet, die diese Prozess übernehmen und das sogenannte Tagesgeldhopping, also dem Verschieben des Geldes zum Anbieter mit den aktuell höchsten Zinsen, vereinfachen. Ich habe schon gute Erfahrungen mit der Plattform Zinspilot* gemacht. Sie haben ein recht großes Angebot und Anlagen sind ab 1€ möglich. Vorsichtig sollte man allerdings bei den Angeboten aus dem europäischen Ausland sein.

Tagesgeld ist insgesamt eine gute Möglichkeit eine gewisse Reserve an Geld zu parken und wenigstens ein paar Euro Zinsen zu bekommen. Die Anlage als Tagesgeld ist eine sehr sichere Anlageform, bei einer Inflationsrate von 1,5% ist es aber ein klares Minusgeschäft.

Festgeld

Beim Festgeld gibt man das Geld einer Bank für eine bestimmte festgelegte Zeit, zum Beispiel 6 Monate oder 5 Jahre. Für diese Bindung bekommt man etwas höhere Zinsen, allerdings mit dem Nachteil, dass man nur eingeschränkt an sein Geld vor dem Ablauf der Laufzeit kommt. Meist werden bei vorzeitiger Kündigung auch keine Zinsen für die bereits abgelaufene Anlagendauer gezahlt. Bei der oben bereits erwähnten Plattform Zinspilot* findet ihr auch eine ganze Reihe von Festgeldangeboten.

Festgeld ist eine sichere Möglichkeit Geld anzulegen, wenn ihr wisst, dass ihr dieses Geld in einer gewissen Zeit nicht brauchen werdet. Die Zinsen sind ähnlich niedrig wie beim Tagesgeld und gleichen die Inflation nicht aus. Die Einlagen sind in Deutschland bis 100.000 Euro durch die Einlagensicherung geschützt.

Bausparen

Auf Bausparverträge gibt es seit einigen Jahren auch fast keine Zinsen mehr. Sowohl vom Risiko, als auch von der Rendite her bewegen sie sich auf dem Niveau vom Tagesgeld. Meiner Meinung nach nur sinnvoll, wenn man plant in Immobilien zu investieren.

Gold

Gold ist seit jeher als Anlageform sehr beliebt. Es genießt den Ruf auch in totalen Krisenzeiten noch einen Wert zu haben. Als Geldanlage ist es nur bedingt geeignet, da physisches Gold mit hohen Aufschlägen verkauft wird, keine Zinsen abwirft und teils enormen Schwankungen unterworfen ist.

Staatsanleihen

Bei Staatsanleihen wird ähnlich wie beim Festgeld das Geld für einen bestimmten Zeitraum angelegt, nur dass der Schuldner ein Staat und nicht eine Bank ist. Je nach Land wird die Anlage in Staatsanleihen für sehr sicher oder recht risikoreich angesehen. Dies spiegelt sich auch an den Renditen wieder. In der folgenden Tabelle findet ihr die Renditen für 3-, 5- und 10-jährige Staatsanleihen europäischer Länder (Stand: 21.11.2018).

Von den Zinsen her lohnt es sich für Privatanleger nicht in Staatsanleihen zu investieren. Bei Länder mit hohen Renditen ist das Ausfallrisiko entsprechend hoch. So bringen türkische Staatsanleihen zur Zeit 17,8% Rendite, was aber natürlich mit einem gewissen Ausfallrisiko einhergeht. Weiterhin ist noch zu beachten, dass in Nicht-Euro-Ländern die Staatsanleihen in der Regel in der Landeswährung ausgegeben werden. Dies bringt ein nicht unerhebliches Währungsrisiko mit sich (so auch im Fall der Türkei).

Aktive Aktienfonds

Viele Deutsche sind schon mit diesen verwalteten Fonds in Berührung gekommen. Sie sind bei Anlageberatern sehr beliegt, da sie hohe Abschlussprovisionen einbringen. Bei den aktiven Fonds versucht ein Fondsmanager durch kluge Auswahl von Aktien eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Nachteil dieser Fonds ist aber, dass sie recht hohe Kosten verursachen und von der Rendite her nur selten besser als der Gesamtmarkt sind.

Kaufen kann man diese Fonds bei der eigenen Hausbank oder Online-Brokern.

ETF

Exchange Trade Fonds (ETF) sind passive Aktienfonds, dass heißt sie bilden einen zugrundeliegenden Index ab. So bildet zum Beispiel ein DAX-ETFs die Entwicklung des DAX ab, indem er Aktien gemäß der Werte der Unternehmen im DAX erwirbt. Es gibt auch ETFs die weltweit oder nur in Entwicklungsländern in Aktien investieren. In den letzten Jahren wurden auch immer mehr Branchen-ETFs aufgelegt, die in Aktien von Unternehmen einer bestimmten Branche, zum Beispiel Maschinenbau oder KI, investieren.

Vorteile von ETFs sind die extrem niedrigen Kosten und die einfache Möglichkeit breit in Aktien zu investieren (ein World-ETF hält Aktien von ca. 9.000 Unternehmen). Man ist durch den ETF allerdings immer an die Entwicklung des zugrundeliegenden Index gebunden. Fällt dieser, fällt auch der Wert des ETFs. Steigt dieser, steigt auch der Wert des ETF. Historisch gesehen haben Aktienindizes über einen längeren Zeitraum (>10 Jahre) immer Gewinn gemacht. Ob dies auch in Zukunft so sein wird, ist allerdings nicht sicher.

ETFs eignen sich meiner Meinung nach vor allem für die langfristige Anlage. Man kann den ETF zwar jederzeit verkaufen, muss aber eventuelle Kursverluste in Kauf nehmen. Langfristig gesehen bieten ETFs aber das Potential für gute Renditen. Ich persönlich bespare je Monat einen World-ETF bei der onvista-Bank* und halte einen Dividenden-ETF bei der ING-Diba. In einem späteren Teil dieser Reihe werde ich einige ETF vorstellen.

Drei Bücher, die ich zu diesem Thema empfehlen kann, sind: “Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen” von Gerd Kommer**, “Die Faulbär-Strategie zur Million: Wie Du mit Indexfonds und ETFs (auch als Anfänger) intelligent und erfolgreich investieren kannst und ganz nebenbei Deinen Bankberater überflüssig machst” von Christopher Klein** und “Anlegen mit ETF: Geld bequem investieren mit ETF und Indexfonds” von Brigitte Wallstabe-Watermann**.

p2p-Kredite

p2p-Kredite sind eine recht neue Anlageform. Die Idee dahinter ist, dass Privatpersonen anderen Privatpersonen oder Unternehmen direkt ohne die Beteiligung einer Bank Geld leihen. Mittlerweile gibt es eine ziemlich große Anzahl von Plattformen, die sich auf die Vermittlung dieser Kredite spezialisiert haben. Der Marktführer ist mintos* aus Riga (hier findet ihr einen ausführlichen Artikel über mein Invest bei mintos). In einem gesonderten Artikel dieser Reihe werde ich verschiedene Plattformen genauer vorstellen.

Diese Anlageform ist sehr riskant, da die Kreditnehmer in der Regel keine besonders hohe Bonität haben und deshalb mit Ausfällen zu rechnen ist. Im Gegenzug winken Zinsen von 8 bis 25%. Manche Plattformen bieten eine sogenannte Rückkaufgarantie an, die garantiert, dass ein überfälliger Kredit nach einer bestimmten Zeit (zum Beispiel 30 Tagen) zurückgekauft wird. Hier wird das Risiko aber nur verschoben. Vorteil von p2p-Krediten ist, dass man sehr kleine Beträge in einzelne Kredite investieren kann. So wird das Verlustrisiko minimiert, falls ein Kredit ausfällt.

Meiner Meinung nach eignen sich p2p-Kredite gut die die Beimischung im Portfolio, sollten aber immer wie eine hoch-riskante Investition betrachtet werden und deshalb sollte nur ein geringer Teil des Vermögens dort investiert sein.

Wer einen ausführlichen Einstieg in das Thema sucht, dem kann ich das sehr gute Buch von Lars Wrobbel “Investieren in P2P Kredite: Was man wissen sollte, wie man Fehler vermeidet und erfolgreich investiert”** empfehlen.

Crowdinvesting

Die Idee beim Crowdinvesting ist ähnlich wie bei den p2p-Krediten, dass sich viele Leute zusammen tun und jeweils mit relativ kleinen Beträgen eine Investition ermöglichen. Hauptsächlich investiert man dort in Immobilien. Die Verzinsung der Einlagen ist recht hoch, allerdings besteht dadurch auch ein gewisses Risiko. Die Diversifikation der Anlage ist hier aber etwas schwieriger, da die Mindestanlagebeträge meist so um die 250€ sind. Eine recht junge Plattform in diesem Segment ist reinvest24, hier findet ihr eine ausführliche Vorstellung dieser Plattform.

Meiner Meinung nach ist die Investitionsform nur für wohlhabendere Menschen sinnvoll, da für eine breite Risikostreuung recht viel Geld investiert werden muss. Diese Anlageform ist auch noch recht neu, daher ist nicht absehbar, wie sie sich in einer Rezession verhält. Wer dennoch interessiert ist, der erhält in “Crowdinvesting: Die Investition der Vielen”** von Prof. Dr. Ralf Beck einen guten Einblick.

Einzelaktien

An Einzelaktien denken wohl die meisten Menschen wenn sie auf investieren an der Börse angesprochen werden. Durch Aktien erwirbt man einen (kleinen) Teil eines Unternehmens und kann an seinem wirtschaftlichen Erfolg partizipieren. Allerdings sind auch Totalausfälle möglich, wenn die Firma zum Beispiel Insolvenz anmeldet oder hohe Verluste, wenn der Aktienmarkt einbricht oder das Geschäftsmodell der Firma nicht mehr rentabel ist. Die Auswahl von guten Aktien, die eine gewisse Sicherheit bieten, ist recht schwierig und benötigt vor allem viel Glück. Wie bei allen Investitionen an der Börse werden außerdem gute Nerven benötigt, um Buchverluste aussitzen zu können.

Die Ablehnung vieler Deutscher Aktien gegenüber rührt oft von schlechten eigenen oder von schlechten Erfahrung von Bekannten. In Zeiten der New Economy haben viele Geld mit Telekomaktien verloren. Dies war für viele der Ausschlag nichts mehr mit Aktien zu tun haben zu wollen. Letztlich waren aber nicht die Aktien das Problem, sondern die Gier der Menschen, die sich einen schnellen Gewinn erhofft haben. In der folgenden Grafik ist mal der typische private Investor dargestellt. So ein vorgehen verursacht nur Verluste!

Online-Broker Wissen: Der Typische Investor macht an der Börse alles falsch! Der typische Investor macht beim Investieren in Aktien an der Börse alles falsch! (Quelle: Infografik von Kontomitkreditkarte.com)

Einzelaktien eignen sich meiner Meinung nach gut für die Beimischung. Hier sollte man aber viel Zeit in die Auswahl der Aktien investieren und sich klare Regeln für den Nachkauf und den Verkauf der Aktien setzen.

Ein lesenswertes Buch über die Psychologie der Trading stammt von Norman Welz: “Trading Psychologie – So denken und handeln die Profils”**.

Anleihen

Mit Hilfe von Anleihen können sich Unternehmen Geld leihen ohne bei einer Bank Sicherheiten hinterlegen zu müssen. Unternehmensanleihen sind, wie Staatsanleihen, auf eine bestimmt Laufzeit und Zinssatz festgelegt. Sie eigenen sich meiner Meinung nach nicht für Privatanleger und werde sie deshalb nicht weiter behandeln.

Optionsscheine

Mit Hilfe von Optionen kann man auf den Kursverlauf einer Aktie spekulieren. Optionen funktionieren so, dass man entweder sich verpflichtet für einen bestimmten Wert eine Anzahl von Aktien in einem Zeitraum zu verkaufen oder zu kaufen. Für diese Verpflichtung erhält man eine Prämie. Der Gegenüber kann diese Option aber auch, je nach Kursverlauf verfallen lassen, so dass keine Aktien gehandelt werden.

Die Anlage mittels Optionsscheine ist riskant und erfordert ein gewisses Grundkapital (mindestens 5.000€) und ist nur für fortgeschrittene Anleger zu empfehlen. Eine gute Einführung und die Vorstellung einer erfolgsversprechenden Strategie findet sich im Buch “Optionsstrategien für die Praxis: So sichern Sie sich an der Börse ein regelmäßiges Einkommen”** von Jens Rabe und Kai Skoruppa.

Weitere Anlagemöglichkeiten

Neben diesen vorgestellten Anlagemöglichkeiten gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten sein Geld anzulegen. Diese sind aber nur für institutionelle Anleger (z.B. Futures) oder sehr riskant (z.B. Nachrangdarlehen, Bitcoins). Diese möchte ich hier nicht betrachten.

Fazit

Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Anlagemöglichkeiten, die mehr Rendite als das Girokonto versprechen. Voraussetzung ist aber, dass man etwas Zeit investiert sich zu informieren und gute Entscheidungen zu treffen.In der folgenden Tabelle sind die wesentlichen Eigenschaften der betrachteten Anlageklassen gegenüber gestellt. Dabei ist ein “+” die Minimal- und “+++” die Maximalbewertung. Die Risikoklasse gibt die Zuordnung der Anlageform zu einer der 5 Risikoklassen an, wie sie auch von Verbraucherschützern verwendet werden. Die konkrete Risikoklasse hängt meist aber vom konkreten Anlagegegenstand ab (eine deutsche DAX-Aktie ist in einer anderen Risikoklasse wie die argentinische Goldminenaktie).

Im nächsten Teil werde ich eine beispielhafte Aufteilung der Vermögens auf die vorgestellten Anlageklassen vorstellen.

 

* Bei der Eröffnung eines Depots oder dem erstmaligen Investieren auf diesen Plattformen erhalte ich eine kleine Provision. Für euch entstehen keine Kosten. Die Provisionen helfen diesen Blog zu betreiben.

** Beim Kauf des Buches über diesen Link erhalte ich von Amazon eine kleine Provision. Euch entstehen dadurch keine Kosten.


Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss
Bitte beachtet, dass diese Informationen keine Anlageberatung darstellen und meine persönliche Meinung widerspiegeln. Alle Beiträge dienen lediglich der Information. Ich übernehme keine Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Basis dieser Informationen getroffen werden. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen und andere Produkte befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Ich weiße ausdrücklich darauf hin, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen.


Wie hat dir der Artikel gefallen? 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Stimmen, Durchschnitt: 4,40 von 5)

Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.