Meinungsfreiheit und Shitstorms

Man stellt sich heute ja immer wieder die Frage, wie weit reicht Meinungsfreiheit und wie weit sollen andere Meinungen toleriert werden? Und mit Meinungen meine ich nichts, was strafbar ist, sondern einfach eine politische Einstellung. Diese Einstellung kann man gut finden oder auch nicht. Diese Einstellung hat dann eventuell auch Auswirkungen auf den Job eines einzelnen. Ganz normal soweit. Es gehört eigentlich auch zum guten Ton dazu, die Meinung des anderen stehen zu lassen. Hart in der Sache diskutieren, aber immer mit Respekt und nicht persönlich gegen die Person gerichtet.

Warum schreibe ich das? Weil es heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Zuletzt wieder zu sehen am Beispiel von Roland Tichy. Roland Tichy war News-Herausgeber bei XING. Neben seinem Job bei XING hatte er noch einen Blog “Tichys Einblick”. Dort veröffentlicht er teils kontroverse Positionen zu aktuellen politischen Themen. Auf diesem Blog wurde ein Gastbeitrag veröffentlicht, in dem über “links-grüne Gutmenschen” geschimpft wurde (Titel: “Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten”). Genaueres kann ich darüber nicht schreiben, da der Eintrag mittlerweile gelöscht ist. In den asozialen Medien ist auf Grund dieses Blogeintrags ein Shitstorm über Tichy hereingebrochen und es wurde zur Beendigung der Mitgliedschaft bei XING aufgerufen. Tichy erhielt außerdem diverse Morddrohungen. Darauf hin entschuldigte er sich für den Blogeintrag und löschte ihn. Der Shitstorm wurde dadurch aber nicht beruhigt. Letztendlich hat Tichy seinen Job bei XING gekündigt.

Jetzt gibt es zwei Meinung zu diesem Vorfall: 1. Alle die sich am Shitstorm beteiligt haben, sollten sich schämen. Egal wie sehr einem die Meinung Tichys auch nicht gefällt, man muss sie aushalten. 2. Durch solche Aktionen zwingt man Firmen politisch Stellung zu beziehen und von daher sind diese Aktionen gerechtfertigt. Ich neige eher dazu der ersten Meinung zuzustimmen. Angenommen man ist von seiner politischen Sicht total überzeugt, hält sie für absolut richtig. Dann sollte man doch mit den anderen diskutieren und sie mit Argumenten überzeugen. Was passiert aber, wenn man sie nur mundtot macht? Ich meine sie lösen sich ja nicht in Luft auf. Dann schreiben sie auf ihren Blog weiter, halten Reden und immer mehr Menschen hören ihnen zu, da sie ja die Unterdrückten sind. Ich denke auch, dass wenn man dem politischen Gegner nur mit Shitstorms begegnen kann und dies auch noch als ein legitimes Mittel in der Auseinandersetzung ansieht, dann hat man kein Interesse nach Verständigung oder dem Austausch von Argumenten. Man will nur seine politische Sichtweise mit allen Mitteln durchsetzen. Was unterscheidet also die Linken von den Rechten?

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