Finanzielle Freiheit – Unerreichbares Ziel?

Finanzielle Freiheit

Beim Einkaufen ist mir am Büchertisch ein Buch in die Hände gefallen, dessen Titel großes versprochen hat: “Wie sie schnell reich werden” (sinngemäß, an den genauen Titel erinnere ich mich leider nicht mehr). Wer möchte das nicht? Schnell viel Geld besitzen und sorgenfrei Leben können. Unter dem Label finanzieller Freiheit oder finanziell frei, wird in den letzten Jahren auf vielen Blogs und in vielen Ratgeberbüchern der Weg zu einem sorgenfreien Leben beschrieben. Bis auf bei ein paar schwarzen Schafen, kann man dort viele interessante Informationen und Anregungen zur Organisation der eigenen Finanzen holen.

Aber was ist eigentlich finanzielle Freiheit? Beginnt sie erst, wenn man 1 Million auf dem Konto hat oder bei 10 Millionen? Oder vielleicht doch wesentlich eher? Neben diesen Fragen soll es auch um einige kritische Aspekte beim Streben nach der finanziellen Freiheit in diesem Artikel gehen.

Was ist finanzielle Freiheit?

In einem Gespräch mit einem Bewerber in meiner Firma hat dieser durchblicken lassen, dass er den Job nur annehmen wird, wenn er die Aufgaben spannend findet und er den Eindruck hat, dass der Job ihm Spaß bereiten würde. Er sei nicht auf diesen Job angewiesen und hat genug finanzielle Reserven um auf den passenden Job zu warten. Er hat aus einer Position der Stärke heraus verhandeln können.

Ist er jetzt schon finanziell frei? Vermutlich würden einige sagen, dass er es nicht ist, da er noch auf Erwerbsarbeit angewiesen ist, wenn auch nicht so dringend wie manch anderer. Ich finde es deshalb viel besser nicht von der finanziellen Freiheit zu reden, sondern mehr in Stadien oder Stufen zu denken.

Im Folgenden möchte ich euch die vier Stufen vorstellen, die meiner Meinung nach auf dem Weg zur finanziellen Freiheit erklommen werden müssen. Jeder dieser Stufen stellt an sich schon ein Ziel da, welches sich zu erreichen lohnt.

1. Stufe: Finanziell solide

Dies ist die erste Stufe und für manche schon unheimlich schwer zu erreichen. Auf dieser Stufe besitzt du ein Nettovermögen von über 0€ und deine monatlichen Einnahmen sind höher als deine Ausgaben. Diese Stufe ist das Fundament für alles andere. Selbst wenn es nicht dein Ziel nicht ist finanziell frei zu werden, ist dies die Stufe, die du unbedingt erreichen solltest. Ein erster Schritt ist sich einen Überblick über die eigenen Finanzen zu verschaffen und dann die Ausgaben soweit zu senken, dass monatlich etwas übrig bleibt. Eine Anleitung findest du in meinem Artikel Organisiere deine Finanzen – Ausgaben im Blick behalten.

2. Stufe: Finanziell gesichert

Auf dieser Stufe hast du ein Nettovermögen von über 10.000€. Davon sind mindestens zwei Nettogehälter jederzeit verfügbar (z.B. auf einem Tagesgeldkonto). Auf dieser Stufe bist du gegen die normalen Pannen des Alltags gut abgesichert. Waschmaschine und Trockner gehen im selben Monat kaputt? Ärgerlich, aber auf Grund der Reserven kein finanzielles Problem. Für mich fängt auf dieser Stufe die finanzielle Freiheit im Prinzip schon an. Man muss nicht jeden Euro zweimal umdrehen und ist auf gewisse finanzielle Unwägbarkeiten vorbereitet. Natürlich besteht noch immer die Abhängigkeit von Erwerbsarbeit.

Für viele ist diese Stufe ein großes Ziel, welches durch niedriges Einkommen und hohe Ausgaben nur schwer zu erreichen ist. Aber es lohnt sich daran zu arbeiten. Senkung der fixen und variablen Ausgaben, Weiterbildung zur langfristigen Erhöhung der Einnahmen und Erschließung neuer Einkommensquellen sind drei Ansatzpunkte um Schritte in diese Richtung zu gehen. Schon auf dem Weg zu diesem Ziel ist es wichtig sich über die eigene Anlagestrategie und das Ziel bewusst zu werden. Wie viel Risiko bin ich bereit einzugehen, kann ich auch bei fallenden Kursen schlafen und was sind meine finanziellen Ziele?

3. Stufe: Finanziell beruhigt

Menschen auf dieser Stufe haben ein Nettovermögen von über 100.000€. Ab diesen Betrag kommt der Zinses-Zins-Effekt immer mehr zum Tragen und die Motivation dürfte beim Überschreiten dieser psychologisch wichtigen Hürde deutlich steigen. Auch größere Anschaffungen können jetzt ohne Schulden finanziert werden. Auch der Verlust der Arbeitsstelle ist bei diesen finanziellen Rücklagen nicht mehr das große Problem. Man kann einfach beruhigter Leben.

Spätestens auf dieser Stufe fühlt man sich schon mehr oder weniger finanziell frei. Der Druck arbeiten gehen zu müssen oder nicht auf ein gutes Angebot warten zu können, ist weg. Selbst wenn man in diesem Stadium noch nicht von den Zinseinnahmen leben kann, ist man im Prinzip schon recht frei. Die Einnahmen aus dem Vermögen decken auf dieser Stufe schon einige Ausgaben. Bei 100.000€ betragen diese immerhin schon über 4.000€ pro Jahr (je nach Anlageart).

4. Stufe: Finanziell frei

Das Nettovermögen ist nun so hoch, dass alle Ausgaben von den Kapitaleinnahmen bestritten werden können. Wenn ihr also monatliche Ausgaben von 2000€ habt, dann braucht ihr ein Nettovermögen von 600.000€ um von den Zinsen und Dividenden leben zu können. Kommt ihr mit weniger aus, ist das benötigte Vermögen natürlich niedriger. Ich denke aber, dass die meisten Menschen, die diese Stufe durch sparen erreicht haben, ihren Lebensstil etwas erhöhen wollen und deshalb weiterhin auf Erwerbsarbeit angewiesen sind. Auch steigt dann vielleicht der Wunsch nach einem eigenen Haus. Deshalb ist diese Grenze sehr von jedem persönlich abhängig und kann nie mit Sicherheit bestimmt werden.

Über die Höhe der Beträge der einzelnen Stufen kann man sich sicherlich streiten. Es kommt aber auch nicht so sehr auf den genauen Betrag an, sondern mehr auf die Größenordnung. Jede Stufe ist ein wichtiger Schritt, selbst wenn man vielleicht nie die vierte Stufe erreicht. Dies ist aber auch nicht weiter schlimm, es geht darum, dass man sich auf den Weg macht.

Kritische Anmerkungen

Wenn wir von finanzieller Freiheit reden, dann reden wir von etwas, dass für die meisten Menschen in weiter Zukunft liegt. In 20 oder 30 Jahre kann es soweit sein. Was bis dahin passiert weiß niemand. Selbst mit den ausgefallensten Anlagestrategien kann der ganze Aufwand sinnlos sein. Spätestens dann kommt die Frage auf, was wirklich wichtig im Leben ist. Ist es wirklich die Jagd nach Reichtum und finanzieller Freiheit?

Manch einer wird sich jetzt denken, dass es komisch ist, das diese Frage auf einem Blog gestellt wird, der sich hauptsächlich mit Finanzen beschäftigt. Mein Ziel bei der Geldanlage ist es aber nicht die finanzielle Freiheit um jeden Preis zu erreichen, sondern für meine Familie geordnete und solide Finanzen zu haben. Geld ist nur ein kleiner Teil in meinem Leben, mit dem ich mich zwar beschäftigen muss, andere Dinge sind mir wesentlich wichtiger: Meine Familie, mein Glauben und meine Freunde. Ja es gibt diesen Traum finanziell frei zu sein und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich ihn nicht auch hätte. Ich finde aber, dass dieses Ziel auch zu einem goldenen Kalb werden kann, um das sich alles dreht und dabei das Wichtige im Leben aus dem Blick gerät.

Kümmern um die eigenen Finanzen: Auf jeden Fall! Im Leben nur noch an Geld denken: Auf keinen Fall!

Fazit

Finanzielle Freiheit fängt für mich schon weit vor den immer in Blogs und Büchern genannten Summen an. Der erste Schritt dahin ist auf jeden Fall finanzielle Bildung und der Willen seinen eigenen Finanzen in den Griff zu bekommen. Alle weiteren Schritte ergeben sich daraus, auch wenn der Weg sicher nicht einfach ist. Man sollte aber nie vergessen, dass Geld nicht alles im Leben ist.

 


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2 Kommentare

  1. Also Stufe 3 finde ich schon erstrebenswert – wie du anfangs schreibst das verschafft einem die stärkere Position bei einigen Themen im Leben – man muss zwar irgendwann wieder aber eben nicht um jeden Preis – ist mir mehr Wert als FF mit 1.500 € im Monat rumkrebsen und hoffen das es keinen Börsencrash gibt…

    1. Ja 1500€ ist schon arg knapp kalkuliert. Besonders wenn man bedenkt, was man dafür machen muss.
      Stufe 2 ist, je nach Einkommen, für viele schon ein gutes und erstrebenswertes Ziel. Wichtig ist dass man sich realistische Ziele setzt und diese versucht zu erreichen.

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