Festgeld im Ausland anlegen?

Auf dem Blog “Fortunalista – Finanzen für Frauen” wurde in einem Blogartikel den Lesern empfohlen doch ein Festgeldkonto im Ausland zu eröffnen, da man dort bis zu 1,25% Zinsen auf sein Geld bekommt. Empfohlen wird dazu die Plattform WeltSparen.de, die die Abwicklung mit der ausländischen Bank übernimmt. An dem Blogartikel haben mich einige Sachen doch massiv gestört, die ich hier mal aufgreifen möchte:

  • Einlagensicherung: Es stimmt, dass es europaweite eine Einlagensicherung bis zu 100.000€ gibt. Diese ist staatlich garantiert. Man beachte hier, dass sie nicht von der EU oder der Gemeinschaft garantiert ist, sondern von den einzelnen Ländern. Jetzt kann sich jeder die Frage stellen, wie viel eine Garantie von einem finanziell angeschlagenen Staat wert ist. Dazu kommt noch, dass im Zweifelsfall die Entschädigung von deutschen Anlegern mit dem Steuergeld des Anlagelandes wohl kaum Priorität haben dürfte. Der Blogeintrag verschweigt dieses Risiko komplett.
  • Verweis auf Länderrankings: Wie schon gesagt garantiert der Staat für die Einlagen. Hier ist das Länderranking ein guter Hinweis. Total verschwiegen wird aber das Ranking der Banken. Diese findet man überings auch nicht auf der WeltSparen-Seite. Gerade aber dieses Ranking gibt einen Hinweis über das Risiko, welches man eingeht. Im letzten Stresstest der EU haben besonders italienische Banken sehr schlecht abgeschnitten.
  • Dies führt uns auch gleich zum nächsten Punkt. Was ist eigentlich die Motivation von Banken, dass sie mit solchen Plattformen zusammen arbeiten? Schaut man sich die Banken an, die vertreten sind, fällt auf, dass keine etablierten Häuser dabei sind. Selbst bei einer Investition in Deutschland wird man nicht bei einer Sparkasse anlegen, sondern z.B. bei der KT Bank AG, die es erst seit 2015 gibt und eine Tochter einer türkischen Bank ist. Möchte man einer solchen Bank sein Geld anvertrauen?
  • “gewinnbringend anlegen”: Dieses Zitat ist im Zusammenhang mit der Anlage im Ausland gefallen. Sie ist aber auch irreführend. Wir haben eine Inflation von über 1,25%. Somit ist keine Anlage die auf WeltSparen verfügbar ist (bei 1 Jahr Laufzeit) gewinnbringend. Inflationsbereinigt macht man ein Minus. Vielleicht weniger als beim Tagesgeldkonto, aber man macht keinen Gewinn.

So nach diesen kleine Einwänden wollen wir doch mal schauen, ob sich eine solche Einlage den überhaupt lohnt. Nehmen wir mal an, dass wir risikobereit sind und das italienische Angebot annehmen (50.000€, 1 Jahr Laufzeit, 1,25% Zinsen). Für diese Anlage erhalten wir satte 625€ Zinsen. Die meisten von uns haben aber keine 50.000€ übrig. Beim Mindestanlagebetrag von 5.000€ sind es dann auch nur noch 62,50€ Zinsen. Wohlgemerkt bei einem recht unbekannten Risiko, in einem Land dessen Banken recht marode sind und die wohl keine Lust haben werden deutschen Anlegern mit italienischen Steuergeld zu helfen. Lohnt es sich also wirklich?

Was würde ich machen? Kommt drauf an. Brauche ich das Geld in einem Jahr, dann 4.000€ aufs Tagesgeldkonto und 1.000€ in p2p-Kredite. Damit erreiche ich ca. 100€ Zinsgewinne bei einem Risiko in Höhe von 1.000€. Brauche ich das Geld erst in 20 Jahren, dann 4.000€ in einen ETF und 1.000€ in p2p-Kredite. Beide Optionen sind sicherer und planbarer als die Festgeldoption im Ausland.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.