Fakenews im Umlauf – Geldanlage, Niedrigzinsen und Inflation

“Sparer brauchen mehr Zinsen” – das war ein Slogan der AfD hier in Sachsen zur Landtagswahl. Aber nicht nur die AfD bemängelt die niedrigen Zinsen für Sparer. Auch in den Medien wird immer wieder thematisiert, dass Sparer weniger Zinsen aufs Sparbuch und das Tagesgeld bekommen, als die Inflationsrate, sie also jeden Monat Geld (in Form von Kaufkraft) verlieren. Auch am sogenannten Stammtisch ist dies immer wieder Thema. Auf der anderen Seite sind die Deutschen aber sehr konservativ bei der Geldanlage. Aktien werden als Spielzeug der Reichen und Zocker verteufelt und insgeheim auf einen Börsencrash gehofft. Finanzielle Bildung ist Mangelware.

Die Situation in Deutschland

Wie Eingangs schon erwähnt sind die Deutschen sehr konservativ was ihre Geldanlage angeht. Immerhin 41% nutzen (auch) das Sparbuch zur Geldanlage. Auch die anderen klassischen Anlageformen sind noch weit verbreitet:

41 Prozent der befragten Anlegerinnen und Anleger nutzen das Sparbuch, 33 Prozent setzen auf die Lebensversicherung sowie 30 Prozent auf den Bausparvertrag. Es folgen Immobilien (25 Prozent) und Tagesgeldanlagen (23 Prozent).
https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-08/geldanlage-sparen-verbraucher-zinsen-bankenverband

Erst einmal ist dies natürlich kein Problem. Ich empfehle immer wieder, dass man eine Reserve für unvorhergesehene Ausgaben auf dem Tagesgeldkonto parken soll. Das Sparbuch ist für einen solchen Puffer aber nicht wirklich geeignet. Laut der oben zitierten Umfrage besitzen nur 23% Wertpapiere (Aktien, ETFs etc.). Das heißt, die restlichen Sparer legen ihr Geld nur in sehr niedrig verzinsten Produkten an. Da die Inflation aber so zwischen 1,5 und 2% liegt, verlieren sie jeden Monat Kaufkraft. In der folgenden Grafik kann man gut sehen, dass seit 2001 die durchschnittlichen Zinsen des Sparbuchs so gut wie immer unter der Inflation lagen. Auch die Zinsen fürs Tagesgeldkonto liegen seit 2010 unter der Inflationsrate.

https://index.fmh.de/fmh-index/zinsentwicklung/detailversion/

An dem Chart kann man auch gut erkennen, dass man mit seinem Gesamtvermögen ein Rendite über 2% erzielen muss, um die Inflation auszugleichen.

Ich denke der Kurssturz der “Volksaktie” Telekom und die damit verbundenen Verluste von vielen Menschen, hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Berichterstattung der Medien und mancher politischer Akteure tun ihr übriges dazu, dass die Deutschen weiterhin die Finger von Aktien lassen. Ich zitiere mal aus einer Veröffentlichung der Linken:

Statt jährlich hohen Dividenden für die Superreichen, jährlich wachsende Belegschaftsanteile – bis hin zu einer Sperrminorität für Belegschaften. Das ist sozial gerechter und gesellschaftlich sinnvoller als jedes Jahr noch mehr aufs Konto für die Superreichen. […] Hohe Gewinnausschüttungen verschärfen auch die soziale Ungleichheit. Das 1% der Superreichen wird so immer reicher, während 50% der Bevölkerung kaum etwas von der wirtschaftlichen Entwicklung haben.
https://www.die-linke.de/start/nachrichten/detail/linke-fordert-aenderung-des-aktiengesetzes/

Selbst wenn die Leute nicht alles glauben was hier von den Linken geschrieben wird, bleibt doch vielleicht etwas davon hängen. Ich kenne einige Leute aus meinem Umfeld, die Aktien und co. nur für etwas für Superreiche halten, aber nicht womit sie an der wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben können. Sie haben sich sogar über die Kursstürze von einzelnen Unternehmen und während der Finanzkrise gefreut.

Die Schuldigen für die niedrigen Zinsen

Je nachdem wen man fragen würde, wäre der Schuldige schnell ausgemacht. Bei den Linken wären es die Konzerne und Superreichen, die die Arbeiter ausbeuten und immer reicher werden. Würde man bei der AfD nachfragen, dann wäre (natürlich) Angela Merkel Schuld (weil sie prinzipiell an allem Schuld ist) und natürlich die böse EZB. Womit wir auch schon bei den Fakenews aus der Überschrift sind.

Natürlich stimmt es, dass der niedrige Leitzins der EZB für die niedrigen Zinsen bei den konservativen Anlageformen sorgt. Die Frage ist nur: Was ist die Alternative? Seit der Finanzkrise verläuft die Entwicklung der Inflation nahezu parallel zu der Entwicklung des Leitzinses, das heißt die Inflation ist von 2011 bis 2016 beständig gefallen. Die Eurozone drohte somit eine Deflation zu erleben, was die EZB verhindern wollte. Das Problem ist jetzt einfach, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung abkühlt und die EZB sich deshalb scheut die Zinsen anzuheben, da sie negative Auswirkungen auf die Wirtschaft befürchtet. Dies ist auch der Grund weshalb Trump den US-amerikanischen Notenbankpräsident zu seinem Feind erklärt hat. Dieser wollte und will die Zinsen nämlich nicht senken und Trump gibt ihm deshalb die Schuld an der sich abkühlenden wirtschaftlichen Entwicklung.

Auf der anderen Seite sorgen die niedrigen Zinsen der EZB auch dafür, dass sich der deutsche Staat so günstig wie nie verschulden kann. Teilweise werden sogar 30-jährige Anleihen mit negativen Zinsen ausgegeben. Die Allgemeinheit profitiert also indirekt von der derzeitigen Zinssituation. Auf einem anderen Blatt steht natürlich, dass die Politik es nicht wirklich schafft die Bürger zu entlasten und das Geld für Investitionen zu verwenden.

Ihr seht also, dass einfache Schuldzuweisungen nichts bringen. Das System ist komplexer als es uns die Populisten von rechts und links erzählen wollen. Ich finde außerdem, dass es viel wichtiger und zielführender ist, sich mit Lösungen auseinander zu setzen, als nur über die Probleme zu klagen. Deshalb ist es wichtig, dass man sich mit Alternativen zum Sparbuch und Tagesgeldkonto auseinander setzt und schaut, wie man diese nutzen kann.

Alternativen zum Sparbuch und Tagesgeld

In diesem Abschnitt möchte ich euch zwei Anlageformen vorstellen, die ich selbst nutze um etwas mehr Rendite zu erzielen. Neben diesen beiden Anlageformen gibt es natürlich noch weitere Möglichkeiten sein Geld anzulegen. Eine Übersicht findet ihr in meinem Artikel “Organisiere deine Finanzen – Anlagemöglichkeiten“.

ETFs

Exchange Trade Fonds (ETFs) sind passive Aktienfonds, das heißt sie bilden einen zugrundeliegenden Index ab. So bildet zum Beispiel ein DAX-ETFs die Entwicklung des DAX ab, indem er Aktien gemäß der Werte der Unternehmen im DAX erwirbt. Es gibt auch ETFs die weltweit oder nur in Entwicklungsländern in Aktien investieren. In den letzten Jahren wurden auch immer mehr Branchen-ETFs aufgelegt, die in Aktien von Unternehmen einer bestimmten Branche, zum Beispiel Maschinenbau oder KI, investieren.

Vorteile von ETFs sind die extrem niedrigen Kosten und die einfache Möglichkeit breit in Aktien zu investieren (ein World-ETF hält Aktien von ca. 9.000 Unternehmen). Man ist durch den ETF allerdings immer an die Entwicklung des zugrundeliegenden Index gebunden. Fällt dieser, fällt auch der Wert des ETFs. Steigt dieser, steigt auch der Wert des ETF. Historisch gesehen haben Aktienindizes über einen längeren Zeitraum (>10 Jahre) immer Gewinn gemacht. Ob dies auch in Zukunft so sein wird, ist allerdings nicht sicher.

ETFs eignen sich meiner Meinung nach vor allem für die langfristige Anlage. Man kann den ETF zwar jederzeit verkaufen, muss aber eventuelle Kursverluste in Kauf nehmen. Langfristig gesehen bieten ETFs aber das Potential für gute Renditen. Ich persönlich bespare je Monat einen World-ETF bei der onvista-Bank* und halte einen Dividenden-ETF bei der ING-Diba. Weiter Informationen findet ihr in meinem Artikel “Organisiere deine Finanzen – ETFs“.

p2p-Kredite

p2p-Kredite sind eine recht neue Anlageform. Die Idee dahinter ist, dass Privatpersonen anderen Privatpersonen oder Unternehmen direkt ohne die Beteiligung einer Bank Geld leihen. Mittlerweile gibt es eine ziemlich große Anzahl von Plattformen, die sich auf die Vermittlung dieser Kredite spezialisiert haben. Der Marktführer ist mintos* aus Riga (hier findet ihr einen ausführlichen Artikel über mein Invest bei mintos).

Diese Anlageform ist sehr riskant, da die Kreditnehmer in der Regel keine besonders hohe Bonität haben und deshalb mit Ausfällen zu rechnen ist. Im Gegenzug winken Zinsen von 8 bis 25%. Manche Plattformen bieten eine sogenannte Rückkaufgarantie an, die garantiert, dass ein überfälliger Kredit nach einer bestimmten Zeit (zum Beispiel 30 Tagen) zurückgekauft wird. Vorteil von p2p-Krediten ist, dass man sehr kleine Beträge in einzelne Kredite investieren kann. So wird das Verlustrisiko minimiert, falls ein Kredit ausfällt.

Meiner Meinung nach eignen sich p2p-Kredite gut die die Beimischung im Portfolio, sollten aber immer wie eine hoch-riskante Investition betrachtet werden und deshalb sollte nur ein geringer Teil des Vermögens dort investiert sein. Weitere Informationen zu p2p-Krediten findet ihr in meine Artikel “Organisiere deine Finanzen – p2p-Kredite“.

Persönlich passende Strategie finden

Wie man sein Vermögen auf die verschiedenen Anlageklassen aufteilt, hängt von vielen Faktoren ab. Alter, Familiensituation, Jobsicherheit sind nur einige davon. Außerdem finde ich es wichtig, dass man mit seiner gewählten Aufteilung noch gut schlafen kann. Auf dem Tagesgeldkonto sollte man immer mindestens eine Reserve von 2-3 Nettomonatsgehältern haben. Eine gute Mischung von ETFs, Einzelaktien und p2p-Krediten halte ich in den meisten Fällen für ausreichend. Aber auch die Investition in Immobilien stellt eine gute Möglichkeit da. Allerdings in Form einer Crowdfinanzierung um sich kein Klumpenrisiko ins Portfolio zu holen.

Da die persönliche Strategie von vielen Faktoren abhängt und insgesamt mit organisierten Finanzen zusammen hängt, möchte ich an dieser Stelle noch auf meine Artikelreihe “Organisiere deinen Finanzen” verweisen. Dort erfährst du alles um deinen Finanzen in den Griff zu bekommen und eine gute Anlagestrategie zu entwickeln.

Fazit

Ja die Zinsen sind niedrig oder so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Aber es hilft nichts den Kopf in den Sand zu stecken und nur zu jammern, wie es die linken und rechten Populisten tun. Jeder kann seine Finanzen selbst in die Hand nehmen und etwas dafür tun, dass das Ersparte doch Zinsen abwirft. Dies hat nichts mit zocken zu tun, sondern mit genauer und sorgfältiger Überlegung und Planung.

Ich hoffe ich konnte den ein oder anderen motivieren sich um seine Finanzen zu kümmern.

 


*Bei der Eröffnung eines Investorenkontos über diesen Link erhalte ich eine kleine Provision. Diese hilft diesen Blog zu betreiben. Für euch entstehen dadurch keine Nachteile oder Kosten.

Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss Bitte beachtet, dass diese Informationen keine Anlageberatung darstellen und meine persönliche Meinung widerspiegeln. Alle Beiträge dienen lediglich der Information. Ich übernehme keine Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Basis dieser Informationen getroffen werden. Sie stellen ausdrücklich keinerlei Empfehlung oder Kaufaufforderung dar. Die hier vorgestellten und besprochenen Geldanlagen und andere Produkte befinden sich teilweise in meinen privaten Depots oder auf der Beobachtungsliste. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt für sämtliche Kommunikationswege. Ich weiße ausdrücklich darauf hin, dass Geldanlagen immer mit Risiken behaftet sind, die bis zum Totalverlust führen können. Eine Haftung für deine Anlagenentscheidungen kann ich nicht übernehmen.

2 Kommentare

  1. Investierst du auch in Aktien? Finde gut, dass du hier so aufklaerst. Ich will weiterhin in Aktien investieren und habe die Webseite AlleAktien gefunden. Kennst du die? Was ist deine Meinung zu den Analysen dort?

    1. Hallo, ich investiere auch in einzelne Aktien. Allerdings liegt mein Schwerpunkt eher auf ETFs und p2p-Krediten.

      Die Seite kenne ich und habe auch schon ein paar Analysen gelesen. Wer gezielt in Einzelaktien investieren möchte, für den ist die Seite sicher eine gute Anlaufstelle.

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