Elterngeld und Elternzeit – Vom Antrag bis zur Steuernachzahlung

Baby, Babyhände

Das Kind ist geboren und man kann sich Zeit für das Baby nehmen – über viele Jahrhunderte war dies für die Eltern nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Heute ist aber durch Elterngeld und Elternzeit vieles davon möglich geworden. Eltern können sich einen Auszeit vom Job nehmen und bekommen sogar noch Geld vom Staat während dieser Zeit. Auch wir als Familie nutzen das Elterngeld und die damit verbundene Elternzeit, da es mir ermöglicht zumindest zwei intensive Monate mit meinem Sohn zu verbringen. Da es bei der Antragsstellung und auch beim Bezug einige Fallstricke gibt, ist es wichtig sich gut darauf vorzubereiten und zu informieren. In diesem Artikel möchte ich euch daran teilhaben lassen, was ich in Bezug auf das Elterngeld und die Elternzeit gelernt habe.

Die Elternzeit

Prinzipiell steht jeden Arbeitnehmer bis zu drei Jahre Elternzeit zu (siehe auch § 15 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG)). In dieser Zeit muss er sich allerdings komplett um das Kind kümmern und das Kind muss natürlich im selben Haushalt leben. Ein Großteil der Zeit muss vor dem dritten Lebensjahr genommen werden. Ein Teil kann aber auch zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes sein. In dieser Zeit wird man von seinem Arbeitgeber freigestellt, muss also nicht arbeiten gehen, natürlich erhält man in der Zeit auch kein Gehalt. Nach der Elternzeit kann man in den meisten Fällen wieder an den alten Arbeitsplatz zurückkehren.

Die Elternzeit muss schriftlich beim Arbeitgeber angezeigt werden. Dabei gelten verschiedene Fristen:

  • Für eine Elternzeit eines unter 3-jährigen Kindes beträgt die Anmeldefrist 7 Wochen
  • Für Mütter beginnt die Elternzeit erst nach dem Mutterschutz, der normalerweise 8 Wochen dauert. Hier ist eine Anmeldung der Elternzeit nach der Geburt ausreichend.
  • Möchten Väter sofort nach der Geburt in Elternzeit gehen, müssen sie spätestens sieben Wochen vor dem errechneten Termin die Elternzeit anmelden.
  • Elternzeit im Zeitraum vom 3. Geburtstag bis zum Tag vor dem 8. Geburtstag muss spätestens 13 Wochen vor Beginn dieser Elternzeit anmelden.

Man sollte auch beachten, dass man mit der ersten Elternzeitanmeldung alle Zeiträume der ersten zwei Jahre angeben muss. Weitere Informationen zur Elternzeit finden sich auf den Seiten des Familienministeriums.

Aus meiner Erfahrung hat sich gezeigt, dass es am besten ist dem Arbeitgeber gegenüber mit offen Karten zu spielen und so früh wie möglich in die eigenen Elternzeit-Pläne einzuweihen. Auch wenn es einen Rechtsanspruch gibt, sollte Dialog immer im Vordergrund stehen. Letztlich sollte eine Regelung gefunden werden, die beide Seite zufrieden stellt.

Das Elterngeld

Das Elterngeld ist eine Familienleistung für Väter und Mütter, die nach der Geburt ihres Kindes dies selbst betreuen wollen. Es soll den Einkommensverlust in der Betreuungszeit abfangen. Insgesamt 14 Monate können auf beide Elternteile verteilt werden, wenn sie jeweils mindestens 2 Monate daheim bleiben. Während dieser Zeit kann man vom Staat bis zu 100% des durchschnittlichen Netto-Gehaltes der letzten 12 Monate (mindestens aber 300€ und maximal 1.800€) bekommen. Die genaue Prozentzahl hängt von der Höhe des Gehaltes ab. Gutverdiener bekommen nur 65% des Nettogehaltes, Geringverdiener bis zu 100%. Das Elterngeld kann man auch bekommen, wenn man vor der Geburt nicht gearbeitet hat (z.B. Studenten), es wird allerdings komplett als Einkommen auf Harz IV angerechnet.

Zusätzlich gibt es dann noch das ElterngeldPlus. Dies kann man doppelt solange beziehen wie das Elterngeld, also maximal 24 Monate. Während dieser Zeit kann man in Teilzeit arbeiten, das ElterngeldPlus ist aber auch nur halb so hoch wie das Elterngeld.

Mit dem Elterngeldrechner kann man schnell den eigenen Elterngeldanspruch ausrechnen und die Elternzeiten planen. Dieser eignet sich auch gut dazu auszurechnen wie viel Einkommensverluste durch das Elterngeld entstehen wird und wie viel Elternzeit man sich leisten kann.

Elterngeldantrag

Der Elterngeldantrag funktioniert in manchen Bundesländern (Berlin, Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen oder Thüringen) digital über das Portal ElternDigital. Ich gehe davon aus, dass die restlichen Bundesländer auch bald nachziehen. Der Elterngeldantrag kann in diesem Portal schon vor der Geburt des Kindes vorbereitet und bis zum Absenden gespeichert werden. Insbesondere kann man hier schon die Bezugszeiten eingeben, was auch für die Mitteilung an den Arbeitgeber bezüglich der Elternzeit wichtig ist. Eingereicht werden kann der Antrag erst nach der Geburt des Kindes, da unter Anderem die persönliche Identifikationsnummer des Kindes benötigt wird (bekommt man nach der Geburt automatisch zugesandt).

Für den Antrag sollte man sich etwas Zeit nehmen, da er doch recht umfangreich ist und etliche Unterlagen (z.B. die Gehaltsabrechnungen der letzten 12 Monate) mit eingereicht werden müssen. Ich finde aber, dass durch die Digitalisierung der Antrags das Ausfüllen deutlich einfacher geworden ist. Der digitale Assistent führt einen sehr gut durch den Antragsprozess und gibt auch Erklärungen zu den einzelnen Feldern.

Es gibt auch einige Anbieter, die bei der Beantragung und der “Optimierung” des Elterngeldes helfen. Ich bin der Meinung, dass der Prozess nicht so kompliziert ist, dass man Hilfe in Anspruch nehmen müsste. Die Optimierungen betreffen auch hauptsächlich die Erhöhung des Nettolohns vor der Elternzeit. Hier kann zum Beispiel durch einen Wechsel der Steuerklasse etwas mehr herausgeholt werden. Dies hängt aber natürlich von euer persönlichen Situation ab. Hier kann euch euer Steuerberater auch weiterhelfen.

Während der Bezugszeit

Während der Bezugszeit ist die erste Regel: Die Zeit mit dem Kind genießen!

Daneben müsst ihr einige Dinge beachten. Ihr dürft nur in gewissen Maßen während der Bezugszeit Geld verdienen. Außerdem habt ihr eine ganze Reihe von Mitteilungspflichten (z.B. wenn ihr umzieht). Auf dem Zuwendungsbescheid findet sich eine ausführliche Liste von Mitteilungsgründen. Wenn ihr nebenberuflich Selbstständig seid, dürft ihr natürlich die Elternzeit nicht zum Ausbau eures Business verwenden. Auch hier gelten Regel was erlaubt ist und was nicht.

Steuern

Das Elterngeld ist steuerfrei, dass heißt ihr müsst es nicht nachträglich versteuern. Was ich allerdings noch in keinem Ratgeber gelesen habe ist, dass das Elterngeld als Versorgungsbezug bei der Steuererklärung angegeben werden müssen. Dies kann unter Umständen dann dazu führen, dass ihr mehr Steuern auf euer normales Einkommen bezahlen müsst. Dies liegt daran, dass sich euer Steuersatz nach eurem Einkommen richtet. Je mehr ihr verdient, desto höher ist euer Steuersatz (bis zum Maximalsteuersatz). Das Elterngeld wird jetzt auf euer zu versteuerndes Einkommen aufgerechnet und von diesem Betrag der Steuersatz ermittelt. Diesen müsst ihr dann auf euer normales Einkommen (ohne Elterngeld) zahlen. Da diese Berechnung erst mit der Steuererklärung erfolgt, müsst ihr eventuell einiges Nachzahlen.

Es ist also wichtig, schon im Voraus mal durchzurechnen, wie hoch eure Steuern in dem Jahr des Elterngeldbezugs sein werden und wie viel Nachzahlung eventuell auf euch zukommt. Dazu könnt ihr einfach den Steuerrechner des BMF benutzen. Rechnet aus wie hoch eure Lohnsteuer für das Jahr sein wird. Jetzt könnt ihr diesen Betrag mit dem Betrag auf der Lohnabrechnung vergleichen. Der Differenzbetrag ist der potentielle Nachzahlungsbetrag (dieser kann natürlich durch eure persönliche Situation anders ausfallen, da z.B. Werbungskosten und sonstige Belastungen nicht berücksichtigt werden). Dieser stellt zwar nur eine grobe Orientierung da, hilft aber nicht böse überrascht zu werden. Vor allem könnt ihr gleich etwas Geld für eine eventuelle Nachzahlung zurück legen. Wenn ihr genaueres wissen wollt, empfehle ich den Gang zu einem Steuerberater, da ich hier nur aus einer persönlichen Erfahrung berichten kann.

Fazit

Die Elternzeit und das Elterngeld sind für mich die wichtigsten Familienleistungen, die in den letzten Jahren eingeführt wurden. Es ist einfach klasse sich Zeit für den Nachwuchs nehmen zu können. Natürlich kann das Elterngeld den Verdienstausfall nicht komplett kompensieren, deshalb muss jede Familie entscheiden wie viel Elternzeit sie sich leisten kann. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass diese intensive Zeit mit dem Nachwuchs durch kein Geld der Welt aufgewogen werden kann. Besonders Väter sollten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

 


Wichtiger Hinweis nach § 34b WpHG – Haftungsausschluss
Bitte beachtet, dass diese Informationen keine Anlageberatung und keine Steuerberatung darstellen und meine persönliche Meinung widerspiegeln. Alle Beiträge dienen lediglich der Information. Ich leiste keine rechtsgeschäftliche Anlageberatung und kann diese auch nicht ersetzen. Dies gilt analog für alle steuerlichen Themen in diesem Beitrag und auf meinem Blog. Dieser Beitrag ersetzt nicht die Beratung durch einen Steuerberater und soll lediglich Gedankenanstöße in diese Richtung bieten.

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