Digitale Infrastruktur an Schulen

https://pixabay.com/photo-3235100/

Zur Zeit gibt es ja eine heiße Diskussion darüber, ob der Bund im Rahmen des Digitalpaktes den Schulen Geld für Investitionen in digitale Infrastruktur (WLAN, Breitbandanschlüsse, Tabletts) geben darf. Der Bundestag hat eine entsprechende Grundgesetzänderung beschlossen. Einige Länder fürchten jetzt, dass der Bund damit in ihre Bildungshoheit eingreifen könnte. Ich möchte hier gar nicht auf die Debatte über die Grundgesetzänderung eingehen. Was ich viel interessanter finde ist, was eigentlich mit der digitalen Ausstattung erreicht werden soll. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes hat in einem Interview mit dem Deutschlandfunk gesagt:

Die angesprochenen Tablets, Computer, gegebenenfalls auch kleinere Geräte, beispielsweise auch iPads beziehungsweise Smartphones, mit denen man ja auch im Unterricht, weil sie so handlich sind, gut arbeiten kann. Auf der anderen Seite brauchen wir erst mal die Infrastruktur, das heißt Breitbandanschlüsse, damit dann auch wirklich in den Computerräumen schnell gearbeitet werden kann. Inzwischen ist es ja teilweise so, wenn 30 Schüler mit dem Computer arbeiten, das Netz schon fast blockiert, weil die Anschlüsse noch steinzeitlich sind.

DLF-Interview mit Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands https://www.deutschlandfunk.de/bildungspolitik-die-laender-sind-ueberrumpelt-worden.694.de.html?dram:article_id=435067

Ich finde dieses Zitat steht für das, was in der Debatte meiner Meinung nach falsch läuft. Erst einmal hört es sich doch ganz gut an. Breitbandanschlüsse, neue Computer und moderner Unterricht mit Tabletts. Was mich etwas stört ist, dass niemand nach dem “Warum” fragt. Werden die Deutschkenntnisse der Schüler besser, wenn mit Hilfe von Tablets unterrichtet wird? Verstehen sie den Aufbau eines Computer besser oder können besser programmieren, wenn sie den neusten PC im Computerpool stehen haben oder ihre Schule mit Breitband angeschlossen ist?

Meiner Beobachtung nach wird versucht das Versagen vieler Bundesländer in der Bildungspolitik durch Investitionen in Technik zu übertünchen. Das Bildungssystem krankt doch nicht an fehlenden Tabletts, sondern an zu viel Ausfallzeiten, falschen Lehrplänen und ständigen Experimenten.

Am Handy spielen und sich im Netz bewegen, dazu müssen die Kinder nicht in die Schule gehen. Ihnen sollte vielmehr ein verantwortungsvoller Umgang damit beigebracht werden. Was aber meiner Meinung nach viel wichtiger ist, ist das Erlernen von grundlegenden Kenntnissen in Informatik und Elektrotechnik. Und natürlich eine gute fundierte Ausbildung in den Standardfächern. Tabletts, PCs und WLAN sind Mittel zum Zweck, aber ersetzen keine gute Schulpolitik.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.