Das neue Grundsatzprogramm der AfD (Teil 5) – Sprache, Kultur und Religion

In diesem Teil der Analyse den neuen AfD-Grundsatzprogramms beschäftigen wir und mit Forderungen der AfD zur Sprache, Kultur und Religion. Die deutsche Sprache kommt immer wieder im AfD-Programm vor, so auch bei den Ausführungen zur EU und bei den Hochschulen (zu denen kommen wir noch).

Sprache, Kultur und Religion

  • “Im Inland tritt die AfD allen Tendenzen strikt entgegen, die deutsche Sprache auf Behörden, in universitären Studiengängen und in der Binnenkommunikation von Firmen im Sinne einer falsch verstandenen „Internationalisierung“ durch das Englische zu ersetzen” (Seite 51).
    Deutsch ist die Amtssprache und ich kenne niemanden der dies abschaffen will. Also ist dieser Punkt ziemlich aus der Luft gegriffen. Was dagegen jetzt schlimm daran ist, bestimmte Formulare auch auf englisch anzubieten, verstehe ich jetzt nicht. Wenn ich im Ausland bin finde ich es immer wieder schön, wenn ich irgendwelchen Papierkram oder Hinweisschilder auch auf Englisch vorfinde. Zu den Universitäten kommen wir später noch. In welcher Sprache die Firmen reden, sollten ihnen überlassen sein. Es ist nunmal so, dass es auch in Deutschland international tätige Firmen gibt, bei denen Leute aus dem Ausland arbeiten. Warum will man denen Vorschriften machen?
    Ich finde es aber schon interessant wie die AfD auf der einen Seite die Freiheit so betont und die Bevormundung durch die “Blockparteien” verurteilt und auf der anderen Seite hier so massiv Vorgaben machen will.
  • “Auf EU-Ebene muss das Deutsche dem Englischen und Französischen endlich auch in der alltäglichen Praxis gleichgestellt werden.” (Seite 51).
    Was soll das konkret bedeuten? Und was ist mit dem spanischen oder dem polnischen? Sind ja auch nicht gerade wenige die diese Sprachen sprechen.
  • “Die AfD will den Einfluss der Parteien auf das Kulturleben zurückdrängen, gemeinnützige private Kulturstiftungen und bürgerschaftliche Kulturinitiativen stärken und die Kulturpolitik generell an fachlichen Qualitätskriterien und ökonomischer Vernunft anstatt an politischen Opportunitäten ausrichten. […] Wir halten ein gewisses Minimum an staatlichen Kultursubventionen für unumgänglich, die jedoch an die selbst erwirtschafteten Einnahmen der Kulturbetriebe zu koppeln sind.” (Seite 51-52).
    Wir überlegen jetzt kurz einmal wie viele Museen, Theater und Opern in Deutschland sich selbst wirtschaftlich tragen können. Zur Veranschaulichung: Die Semperoper in Dresden hat 2013 eine Besucherauslastung von 91% erreicht, aber nur einen Kostendeckungsgrad von 40%. Meine ökonomische Vernunft sagt: Zumachen oder Preise drastisch erhöhen. Man bedenke auch, dass die Semperoper noch gut besucht und weltweit bekannt ist. Diese AfD-Forderung ist eine Kulturvernichtungsforderung! Kultur ist einen staatliche Aufgabe, die durch private Angebote ergänzt werden kann, aber eben den staatlichen Auftrag nicht übernehmen kann. Anders ist dies natürlich wenn man möchte, dass sich nur noch die ganz reichen Kultur leisten können, dann kann man gerne privatisieren und an “ökonomischer Vernunft” ausrichten.
  • “Imame sollen in deutscher Sprache an deutschen Universitäten ausgebildet werden, unabhängig von Weisungen des islamischen Auslands und von muslimischen Verbänden.” (Seite 53).
    Diese Forderung erscheint zwar vordergründig sinnvoll, aber sie ist nichts anderes als ein Angriff auf die freie Religionsausübung. Imam ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Die Folge einer solchen Forderung wäre unter Anderem die, durch den Gleichheitsgrundsatz begründete, Abschaffung freier christlicher Ausbildungsstätten für Pastoren. Das Ziel dieser Forderung ist doch, im Schnelldurchlauf so etwas wie eine “muslimische evangelische Kirche” zu schaffen. Also einen Ausprägung des Islam die schon an etwas glauben, aber so unverbindlich und beliebig, dass alles irgendwie ok ist. Ich bezweifle nur, dass dies funktionieren wird. Diese Forderung kommt überings auch von anderen Parteien, was sie aber auch nicht richtiger macht.
  • “Die AfD lehnt die Beschneidung des männlichen Kindes gemäß § 1631d Abs. 1 und 2 BGB ohne medizinische Indikation wegen gravierender Grundrechtsverletzungen und Gesundheitsrisiken als verfassungs- bzw. rechtswidrig ab.” (Seite 54).
    Religionsfreiheit und Erziehungsfreiheit der Eltern sind auch Grundrechte. Diese wurden in der Diskussion bei der Einführung des Gesetzes mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit abgewogen. Im Übrigen wird die Beschneidung im Judentum schon seit tausenden Jahren durchgeführt, sie birgt keine Gesundheitsrisiken, sondern trägt sogar zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs bei. Es gibt außerdem einen Unterschied zwischen Juden und Muslimen. Bei den Juden wird ein Baby immer am 8. Tag nach der Geburt beschnitten. Bei den Moslems bis zu seinem 13. Lebensjahr (meist so zwischen dem 6. und 7. Lebensjahr). Man kann aus verschiedenen Gründen dagegen sein, aber man sollte nicht falsche Argumente vorschieben.

Im nächsten Teil wird es dann um die Medien gehen. (Hier gehts zum Teil 6).

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