Das Chancenkonto der SPD – Gute oder schlechte Idee?

Die SPD und ihr Kanzlerkandidat Schulz haben vor einiger Zeit ein Chancenkonto für jeden Arbeitnehmer ins Gespräch gebracht. In diesem Konto sollen bis zu 20.000 Euro sein, mit denen Weiterbildung, Existenzgründung und Auszeiten wie Sabbaticals finanziert werden können. Viele Details sind über das Chancenkonto aber noch nicht verfügbar. Aus einigen Aussagen ist aber zu schließen, dass das Konto hauptsächlich jüngeren Arbeitnehmern zur Verfügung stehen soll. Denkbar wäre auch eine Abnahme des Betrags je nach Alter der Person. Das Chancenkonto von Arbeitslosen soll eingefroren werden, sie sollen über die Bundesagentur für Arbeit weitergebildet werden.

Betrachten wir nur mal die 18 bis 30-jährigen, dann geht es hier um 12.299.000 Personen (jedes Jahr kämen dann nochmal ca. 700.000-800.000 junge Leute dazu). Diese hätten dann somit auf ihrem Chancenkonto sagenhafte 245.980.000.000 Euro. Dieses Geld wird natürlich nicht in einem Jahr abgerufen, aber selbst bei einer durchschnittlichen Auszahlung von 5% pro Jahr kommt schon ein relativ großer Betrag zusammen. Es ist außerdem anzunehmen, dass auch ältere Arbeitnehmer ein solches Chancenkonto bekommen sollen, da hier Weiterbildung eigentlich noch viel nötiger ist, da ihre Ausbildung ja länger zurück liegt. Geht man nun mal davon aus, dass auch Personen mit 50 Jahren noch 2.500 Euro bekommen sollen und dazwischen die Ansprüche linear fallen, dann kommen wir auf Ansprüche von 362.403.906.250 €. Hiervon sind natürlich nicht alle abrufbar, da nur Arbeitnehmer auf diese Zugreifen dürfen. Diese Zahlen machen aber deutlich, was für riesige Summen hinter dieser Forderung stehen.

Zu diesen direkten Kosten kommen dann noch die indirekten Kosten. Da das Geld nur zweckgebunden verwendet werden darf, wird es irgendeine staatliche Behörde geben müssen, die mit der Genehmigung von Anträgen beauftragt wird. Allein schon auf Grund der hohen Zahl an Antragsberechtigten werden hier sehr viele Leute nötig sein.

Es stellen sich aber auch inhaltliche Fragen bezüglich der zu fördernden Maßnahmen. Welche Fortbildung wird genehmigt? Werden auch Fortbildungen genehmigt, die einen rein privaten Charakter haben oder die mit einem Ehrenamt zu tun haben? Ähnliche Fragen tauchen auch bei der Förderung von Selbstständigkeit auf. Welche Vorhaben werden gefördert? Müssen diese in irgendeiner Art und Weise erfolgversprechend sein? Wenn ja, wer prüft das? Wie muss das Sabbatical oder die Auszeit gestaltet sein, damit man dafür Geld bekommt und wird es eine Obergrenze für eine einzelne Maßnahme geben?

Fairerweise muss ich natürlich sagen, dass das Arbeitsministerium zur Zeit an einer konkreten Ausgestaltung arbeitet und hoffentlich einige Fragen dann auch beantwortet werden. Ich sehe hier allerdings prinzipielle Probleme, nicht nur im Bereich der Finanzierbarkeit.

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