Crash-Prophet – Job mit Zukunft!?!

Crash Weltuntergang

Crash-Prophet ist eigentlich ein schöner Beruf. Wir stehen immer vor der nächsten (Finanz-)Krise und wenn man nur lange genug wartet, hat man immer recht. So gesehen also ein recht guter Job. Nebenbei kann man sich seine Vorhersagen noch mit Buchverkäufe und Vorträgen vergolden lassen. Also warum nicht Crash-Prophet werden? (Ich könnte so etwas nicht, weil ich da einige moralische Bedenken hätte…)

Wie komme ich nun auf dieses Thema? Im letzten Finanzrocker-Podcast war der Crash-Prophet Marc Friedrich zu Gast. Er hat darin recht ausführlich über den nächsten Crash geredet, der seiner Meinung nach bis Ende 2023 ansteht. Natürlich hat er auch seinen “Wertefonds” vorgestellt, der ein “täglich handelbarer Sachwertfonds” ist und ausführlich über sein neues Buch geredet. Prinzipiell rät er den Anlegern ihr Geld in Sachwerte (Whisky, Häuser, Wald etc.) zu stecken, da diese “nie wertlos werden”. Aber stimmt das überhaupt? Sollen wir mehr auf diese Crash-Propheten hören?

Mein Problem mit diesen “Propheten”

Eigentlich sind diese Crash-Propheten keine wirklichen Propheten. Sie können nicht die Zukunft voraussagen, sondern ziehen nur ihre Schlüsse aus einer Analyse der aktuellen Situation. Dabei werden natürlich die Fakten herausgesucht, die besonders schlimm sind. Aber selbst die beste Analyse erlaubt noch keinen detaillierten Ausblick auf die Zukunft, besonders wenn es um singuläre Ereignisse wie einen Aktiencrash oder so komplexe Konstrukte wie die Weltwirtschaft geht. Hier spielen unzählige Faktoren eine Rolle, die teils unbekannte Auswirkungen aufeinander haben. Hier kann man einfach keine seriöse Vorhersage mit Datumsangabe und Auswirkungen treffen.

Außerdem muss man ganz klar sagen, dass konjunkturelle Schwankungen etwas Normales sind. Und auch das, was unter dem Label Börsencrash läuft, letztlich nichts Außergewöhnliches ist. Wenn ich also jedes Jahr verkünde, dass nächstes Jahr der Crash kommt, dann habe ich irgendwann recht. Das hat dann aber nichts mit Vorhersage zu tun, sondern mit raten. Auch das der nächste Crash wohl der Größte in der Geschichte werden wird, ist nicht verwunderlich, da durch den Zinseszins die Geldmenge immer weiter zunimmt und deshalb der nächste Crash von den absoluten Beträgen her natürlich schlimmer wird als der letzte. Ob dann aber die ganzen Horrorszenarien, wie Zerbrechen des Euro oder Auseinanderbrechen von Europa, eintreffen wird, kann niemand seriös sagen.

Interessant ist auch, dass sich der angesprochene Crash-Prophet auch noch kräftig selbst wieder spricht. Im Podcast sagt er:

“Goldverbot – kommt. Gold ist der Feind der Regierungen, Gold ist Feind der Politik, die sich dadurch am Riemen reißen müssen, was Ausgaben angeht.”

Auf seiner Website zum “Wertefond” heißt es dann hingegen:

“Ein Goldbesitzverbot ist für die Zukunft zwar theoretisch nicht gänzlich auszuschließen, jedoch aus unserer Sicht aufgrund der vergleichsweise geringen Verbreitung des Goldbesitzes in der Gesamtbevölkerung äußerst unwahrscheinlich”

– https://www.fw-fonds.de/faq/

Egal was passiert, er hatte also recht…

Warum stehen wir Deutschen so auf Krise und Untergang?

Ein interessanter Aspekt ist für mich auch, dass die Deutschen irgendwie auf die Untergangfantasien stehen. Leute strömen zu Vorträgen und kaufen Bücher in denen vom Untergang und Crash die Rede ist. Man hat sogar das Gefühl, dass manche nur darauf warten und hoffen, dass alle diese düsteren Szenarien eintreten. Warum eigentlich? Wenn Marc Friedrich recht behält, dann wird das für uns alle sehr schmerzhaft werden. Massenarbeitslosigkeit, Bankenrun, Inflation etc. – wie kann man darauf hoffen?

Ja auch nach dem kommenden Crash wird es wieder Gewinner geben, aber dies werden wahrscheinlich nicht die “normalen” Leute sein. Manchmal kommt es mir so vor, als wenn sich Schafe die zum Schlachthof gefahren werden über den schönen Ausflug freuen. Manchmal verstehe ich meine Mitmenschen echt nicht.

Der Crash-Propheten “Wertefonds”

Marc Friedrich und Matthias Weik haben zusammen einen Fonds aufgelegt, der für alle die Angst vor dem Crash haben, geeignet sein soll. Marketingtechnisch geschickt haben sie ihn dann auch “Wertefonds” genannt. In diesem Abschnitt möchte ich mal näher auf diesen Fonds eingehen.

Wobei ich auch sagen muss, dass ich grundsätzlich nicht verstehen, warum ich mein Geld in einen Fonds stecken soll, wenn ich Angst vor einem Totalzusammenbruch habe? Wie bezahle ich in diesem Fall dann meine Miete und mein Essen? Mit Fondsanteilen? Kann ich mir in dem im Fonds enthaltenden Wald auch Feuerholz schlagen? Wenn ich wirklich Angst vor einen Totalzusammenbruch hätte, dann würde ich physisches Gold und ein Haus kaufen und nicht einen Fonds.

Aber schauen wir uns mal den Fonds genauer an. Auf der Startseite wird schon Werbung mit dem Slogan “Schutz vor Inflation und Negativzins” gemacht. Diese Aussage ist dann auch schon recht grenzwertig, da der Fonds dann eine Rendite über der Inflationsrate bringen müsste und damit es ein Schutz ist, auch eine garantierte Rendite über der Inflation. Dies kann der Fonds aber nicht leisten, wie wir gleich sehen werden.

Kennzahlen

Das Fondsvolumen beträgt zurzeit ca. 27 Millionen Euro und der Fonds wurde am 02.01.2017 zu einem Ausgabepreis von 100 € aufgelegt. Der aktuelle (06.02.2020) Kurs beträgt 102,43 €. Seit der Ausgabe wurde also eine durchschnittliche Rendite von 0,66 % p.a. erzielt. Der Fonds ist zurzeit zu 21 % in Minenaktien, 25 % in anderen Aktien, 22 % in Gold, 12 % in ETFs, 2 % in Bitcoin und 19 % in Währungen investiert (siehe Portfoliostruktur).

Der Ausgabeaufschlag für den Fonds beträgt 3 % und es fallen jährliche Kosten in Höhe von 1,6 % an.

Meine Bewertung

Der Fonds ist meines Erachtens nach zu teuer. Die 1,6 % jährliche Gebühr sind einfach zu hoch. Wer wirklich Gold und Sachwerte als Sicherheit haben möchte, der sollte sich Gold in den Keller oder ein Bankschließfach legen – dann kommt man im Notfall auch noch ran. Die Aktienquote im Portfolio kann einfach mit einem World-ETF abgedeckt werden. Insgesamt würde ich die Finger davon lassen.

Sind Sachwerte wirklich sicher?

Im Podcast hat Marc Friedrich behauptet, dass Sachwerte wie Gold, Whisky, Wald, Häuser nie wertlos werden und deshalb eine gute Krisenvorsorge sind. Dies stimmt meines Erachtens nach aber nur zu teil – nämlich genau dann, wenn eben nicht alles zusammen bricht. Läuft alles normal weiter, dann wird es Abnehmer für Häuser und wertvollen Whisky geben. Bei Wald ist es aber schon in guten Zeiten sehr risikobehaftet. Stellt euch vor, dass in eurem Wald der Borkenkäfer sein Unwesen treibt oder eure Ahorn mit der Rußrindenkrankheit befallen werden. Im ersteren Fall müsstet ihr vielleicht große Teile eures Holzes zu einem Spottpreis verkaufen und im zweiten Fall sogar viel Geld für die Entsorgung der Bäume bezahlen.

Wie es genau aussieht, wenn alles zusammen bricht, kann niemand sagen. Es gab Zeiten, da war Honig das Tauschmittel der Wahl und wer Bienen hatte, der war reich und in einer guten Position. Vielleicht nimmt in der Krise der Bäcker dein Gold nicht im Tausch für Brot, sondern möchte Honig oder Wurst. Oder er möchte 10g Gold pro Brot haben. Oder es kommt so wie in Griechenland, dass die Grundstücks- und Immobilienbesitzer kräftig zur Kasse gebeten werden. Niemand weiß es. Deshalb leitet die Aussage, dass Sachwerte nie wertlos werden, auf die falsche Fährte.

Fazit

Macht euch selbst eure Gedanken über eure Finanzen. Letztlich müsst ihr nämlich auch mit den Konsequenzen eures Handelns leben. Spielt verschiedene Szenarien durch und versucht die Auswirkungen auf euer Portfolio zu ermitteln. Und vor allem: Lasst euch nicht verrückt machen!

 


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8 Kommentare

  1. Ich finde es gut und wichtig, dass es Menschen wie Dr. Marc Friedrich gibt der sein Wissen teilt. Ob man es annimmt oder glaubt bleibt jedem selbst überlassen. Ich finde seine Videos und Bücher auf jeden fall hilfreich und wertvoll.

    1. Man sollte halt auch immer zwischen dem Wissensteil und den spekulativen Voraussagen unterschieden. Letzteres sichert die Auflage.
      Die andere Frage ist dann auch, was die Angst vor einen totalen Crash bei einem auslöst und welche Verhaltensweisen es induziert.

  2. Wie Herr Dr. Marc Friedrich schon so schön sagt: “Meine Kritiker sind alle neidisch auf meinen Erfolg”. So ist es wohl auch zu diesem Artikel gekommen. Er erfolgloser Blogger kritisiert den Experten. Du wirst schon sehen wenn der Crash da ist und alle die auf ihn gehört haben die Gewinner sind!

    1. Sehe ich auch so. Erfolg zieht Neider an!!!! Die Krise kommt und dann wird das Jammern groß sein. Ich werde mich dann aber freuen.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich bin natürlich auch der Meinung, dass ein echter weltuntergangsvorsorge Fonds Fond enthalten sollte. Natürlich neben Kartoffeln und Zwiebeln. Wenn der Weltuntergang da ist, dann möchte ich wenigsten noch Kartoffelsuppe kochen. Voraussetzung ist natürlich, dass der Fondsverwalter, dann den schönen Fond auch mit mir teilen möchte. Weil immer haben wir ja gerade Krise und so… Aber lassen wir das.

  3. Sehr interessant. In diesen Fonds würde ich aber auch nicht investieren. Der Bitcoin / Krypto Anteil von 2 Prozent erscheint auch recht niedrig. Zunehmend werden Bitcoin und auch Ethereum als digitales Gold betrachtet und somit als Hedge gegen Krisen und/oder Inflation.

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