Corona-Krise – was tun mit dem Vermögen?

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In Zeiten der Krise fragt man sich immer, was man in Bezug auf das eigene Vermögen unternehmen sollte. Besonders wenn alle Positionen des Aktienportfolios rot markiert sind, kann man schon man nervös werden. Jetzt alles Verkaufen? In diesem Artikel soll es darum gehen, wie du jetzt mit deinem Vermögen verfahren solltest. Man muss natürlich auch sagen, dass niemand weiß wie sich die Lage weiter entwickeln wird und ich auch nur schreiben kann, was ich zurzeit mache. Vielleicht findest du aber auch die ein oder andere Anregung für deine Finanzen.

Tagesgeld

Auf dem Tagesgeldkonto sollte eine Notfallreserve von 2-3 Nettomonatsgehältern geparkt sein. Dies gibt eine gewisse Sicherheit, wenn aufgrund der Krise Verdienstausfälle entstehen. Je nach eigener Situation und Branche des Arbeitgebers kann man diesen Betrag noch etwas erhöhen. Insgesamt empfiehlt es sich eine Modellrechnung zu machen, wie lange man auch z.B. bei 50% Verdienstausfall und Kurzarbeitergeld, über die Runden kommt. Ich habe euch dazu eine Excel-Vorlage gebaut, die ihr hier herunterladen könnt.

Dort müsst ihr einfach die Werte in den orangen Felder ausfüllen und erhaltet überschlägig euren erwarteten Verdienstausfall. In das Feld “Kinder” tragt ihr eine Eins ein, falls ihr ein oder mehrere Kinder habt und Null, falls ihr kein Kind habt. Wenn ihr noch zusätzlich wisst, wie hoch eure Kosten pro Monat sind, dann erhaltet ihr in der Tabelle auch den monatlichen Fehlbetrag (falls ihr sie nicht wisst, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt euch intensiv mit euren Finanzen zu beschäftigen; meine Artikelserie “Organisiere deine Finanzen” hilft dir dabei). Bitte beachtet aber, dass dies nur eine Modellrechnung ist. Die Berechnung des Kurzarbeitergeldes erfolgt hier nur überschlägig.

Mit diesem Wert könnt ihr jetzt abschätzen, wie lange eure Notfallreserve auf dem Tagesgeldkonto ausreicht.

Fest- und Tagesgeld im Ausland

Fest- und Tagesgeld im Ausland war in normalen Zeiten schon eine etwas riskantere Anlage. Dafür wurde man dann auch mit Zinsen um die 1% “belohnt”. Wie sich die teils maroden Banken in Spanien und Italien durch die Krise kommen, ist nicht abzusehen. Theoretisch sind die Einlagen zwar bis 100.000 € gesichert, deutsche Anleger dürften aber nicht zur priorisierten Zielgruppe für eventuelle Zahlungen nach einer Bankenpleite gehören. Ich persönlich würde, besonders in diesen Zeiten, kein Geld auf Tages- und Festgeldkonten im Ausland lassen. Dies muss jeder selbst entscheiden, mir wäre das Risiko-Rendite-Verhältnis aber zu schlecht.

Aktien

Der Anblick des Aktiendepots ist zurzeit keine erfreuliche Angelegenheit. Sollte man jetzt aber panisch verkaufen, um die Verluste zu begrenzen? Ich würde davon abraten. Wenn man das Geld nicht unbedingt braucht, sollte man die Aktien weiter halten. Unternehmen die vor der Krise gut waren und deren Geschäftsmodell tragfähig war, werden die Krise wahrscheinlich überstehen und die Kursverluste wieder aufholen. Abwarten könnte also die bessere Variante sein.

Einige raten jetzt schon dazu, Aktien nachzukaufen, da die Kurse jetzt natürlich besonders günstig sind. Beachten muss man, dass es kein perfektes Markttiming gibt. Wenn man von einem Unternehmen überzeugt ist, dann wäre tatsächlich jetzt ein guter Zeitpunkt Aktien zu kaufen. Natürlich auch mit dem Risiko, dass die Kurse im Laufe des Jahres noch weiter fallen. Insgesamt sollte man aber weniger die aktuellen Kurse, sondern viel mehr das Geschäftsmodell und die Aussichten des Unternehmens betrachten.

ETFs

Falls ihr mit dem Gedanken spielt eure ETFs zu verkaufen, gelten eigentlich die gleichen Ausführungen wie bei Aktien. Sogar noch mit der Erweiterung, dass ETFs ja gerade für einen solchen Fall gedacht sind. Man ist möglichst breit aufgestellt und wird langfristig von den Gewinnen am Aktienmarkt profitieren. Jetzt zu verkaufen heißt eigentlich nur, dass man Verluste realisiert.

Ich werde meine ETFs weiter halten und bei einigen Positionen noch nachkaufen. Ich schätze zwar, dass die Märkte in den nächsten Monaten noch fallen werden, kann aber auch die Auswirkungen der Intervention der Notenbanken und Regierungen nicht wirklich abschätzen.

In diesem Zusammenhang sind einige Vergleichswerte noch interessant. Am 21.03.2020 steht der MSCI World bei 1650 Punkten. In den beiden letzten großen Rücksetzern Anfang Januar 2019 und Januar 2016 stand er bei 1800 bzw. 1400 Punkten. Wir bewegen uns im Moment also noch in einem normalen Rahmen für eine Korrektur. Es fühlt sich nur viel mehr nach Weltuntergang an, da die Berichterstattung entsprechend ist. Umgekehrt heißt dies natürlich auch, dass nach unten noch viel Platz ist, wenn die Weltwirtschaft in eine Rezession kommt.

Auch wenn man einzelne Aktien anschaut, bestätigt sich dieses Bild. AT&T notiert zurzeit bei 28,45 $, Anfang Januar 2019 stand die Aktie bei ca. 24 $. Auch bei Amazon, netflix und Alphabet zeigt sich diese Tatsache. Dies gilt allerdings nicht für Automobilkonzerne. Diese haben dramatischer Verluste zu verzeichnen.

Aus diesen Zahlen kann man also ablesen, dass die Lage an den Börsen zwar nicht erfreulich ist, aber nach unten noch viel Luft ist. Ich werde meinen Sparplan auf dem MSCI World auf jeden Fall weiterlaufen lassen, auch wenn die Kurse vielleicht noch etwas fallen werden.

p2p-Kredite

Für die p2p-Branche brechen jetzt interessante Zeiten an. Die erste Rezession steht vor der Tür, die die Branche durchmachen muss. Ich rechne damit, dass es deshalb vermehrt Kreditausfälle und vielleicht auch Pleiten von Plattformen geben wird. Besonders Kredite in Spanien und Italien dürften betroffen sein. Dieses Risiko ist natürlich in den hohen Zinsen eingepreist, die man in dieser Anlageklasse verdienen kann. Zurzeit ist auch ein leichter Anstieg der Zinsen auf manchen Plattformen zu spüren, was ein Indikator für ein erhöhtes Risiko ist. Ich rechne aber damit, dass die großen Plattformen, wie Mintos* und Bondora*, gut durch die Krise kommen und man hier weiter gut investiert ist.

Auch in Zeiten der Corona-Krise gilt, dass man nur soviel Geld in p2p-Krediten investiert haben sollte, wie man notfalls entbehren könnte.

Fazit

Die erste Regel ist, einen kühlen Kopf zu bewahren und die eigene Situation ruhig zu analysieren. Panische Aktionen oder Verkäufe sollte man unterlassen, sie führen nur zu Verlusten. Jede Krise hat auch Gewinner, durch ruhiges und überlegtes Handeln kann man zumindest die Chance erhöhen, dass man dazu gehört.

 


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