Buchrezension: Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland

Mulime, Islam, Mekka

Wohl kaum ein Satz hat im letzten Jahrzehnt die öffentliche Debatte so sehr polarisiert wie der Satz: “Der Islam gehört zu Deutschland”. Erstmals wurde er vom ehemaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble 2006 in einer Rede vor der damals gegründeten Islamkonferenz geprägt. Vier Jahre später griff der damalige Bundespräsident Christian Wulff den Satz auf und brachte ihn in seiner Rede zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit:

„Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ 

Christian Wulff, 03.10.2010

Später wurde er von vielen Politikern wiederholt, bzw. viele haben dem Satz auch widersprochen. Nun haben der Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann (CDU) und der bayerische Landtagsabgeordnete Winfried Bausback (CSU) ein Buch mit dem Titel “Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland“* herausgebracht. Ersteinmal hört es sich nach einer abgeschwächten Form der Ablehnung des oben zitierten Satzes an. Lohnt es sich trotzdem das Buch zu lesen?

Um mein Fazit vorweg zu nehmen: Ja es lohnt sich. In dem Buch kommen ganz verschiedene Menschen zu Wort, die alle das Thema aus einer anderen Sicht heraus beleuchten. In 15 Kapiteln werden verschiedene Aspekte des Themas behandelt. So z.B. im ersten Kapitel von Ruud Koppmans (Professor für Soziologie und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität Berlin). Die zentrale Frage seines Kapitels lautet:

Die richtige und wichtige Frage, die wir uns stellen müssen, lautet nicht, ob der Islam ganz allgemein gesprochen zu Deutschland gehört oder nicht, sondern welcher Islam zu Deutschland gehören kann und welcher nicht.

Ruud Koopmans (Seite 12)

Im weiteren Verlauf geht Rudd Koopmans auf die Situation in den muslimischen Ländern, den Auffassungen der islamischen Verbände in Deutschland und den Ansichten der hier lebenden Muslime ein. Sein Fazit lautet, dass weder in den muslimischen Ländern, noch in den Verbänden oder der Mehrheit der Muslime in Deutschland eine Islam vorhanden ist, der mit unserer freiheitlichen Grundordnung vereinbar ist. Er stellt außerdem fest, dass die liberalen Strömungen im Islam vernachlässigbar klein sind.

Auch in den anderen Kapiteln wird klar, dass der politische Islam und mehr noch der Islam, den die meisten Muslime auf der Welt und in Deutschland anhängen, nicht mit den westlichen Werten kompatibel ist.

Zwischen der westlichen und der islamischen Weltanschauung gibt es große Unterschiede, die handfeste Wertekonflikte produzieren.

Marwan Abou Taam (Seite 59)

Die Frage, die sich mir nun stellt ist, ob es überhaupt so etwas wie einen politischen und unpolitischen Islam gibt, oder ob er nicht immer politisch ist. Die Autoren des Buches gehen davon aus, dass es diese Trennung gibt und sich nur der nicht-politische Islam durchsetzen muss, um anschlussfähig zu sein. Wenn dies aber ein Irrtum ist, dann wäre das ein großes Problem für die westlichen Länder. Carsten Linnemann fast dies in einem Satz zusammen:

Wenn wir die Herzen dieser Menschen nicht für unsere Art zu leben, für Demokratie, Freiheitsrechte und Menschenrechte gewinnen können, wird unsrem Land eine sehr unruhige Zukunft bevorstehen.

Carsten Linnemann (Seite 226)

Im letzten Kapitel des Buches beschreibt Linnemann dann, mit welchen Maßnahmen, seiner Meinung nach, diese unruhige Zukunft verhindert werden kann.

Fazit

Auch wenn ich nicht mit allen Thesen des Buches “Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland“* übereinstimme und schon die Grundannahme über den politischen Islam diskussionswürtig halte, kann ich dieses Buch trotzdem empfehlen. Es leistet einen wichtigen Beitrag zur Debatte. Unaufgeregt kommen viele, auch kritische Stimmen zu Wort. Von mir also eine klare Leseempfehlung.


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