Berichterstattung im Israel-Palästinenser-Konflikt

Die Diskussion über den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist in der westlichen Welt hoch emotional. Obwohl es eigentlich nur um einen recht kleine Teil der Welt geht, hat jeder eine Meinung dazu und die Emotionen kochen meist recht schnell hoch. Schon Tuvia Tenenbom hat in seinen Büchern die Verwunderung ausgedrückt, dass scheinbar jeder in Amerika und Deutschland so einen Anteil an dem Konflikt nimmt. Diese Polarisierung macht leider vor der deutschen Presse auch nicht halt.

Ein aktuelles Beispiel

Nehmen wir zum Beispiel die folgende Überschrift und den Pitch von zeit-online:

Screenshot von zeit-online am 23.01.19 – https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-01/gazastreifen-israel-hamas-luftangriff-panzer

Die Botschaft: Israel hat auf die Hamas im Gazastreifen geschossen. Davor hat angeblich ein palästinensischer Scharfschütze auf einen israelischen Soldaten geschossen. Israel hat, die Hamas hat vielleicht. Merkt ihr etwas? Ganz unbemerkt werden hier zwei Stilmittel angewandt, um den Leser zu manipulieren.

Zunächst einmal also das “hat – hat eventuell” und dann noch die vertrete Darstellung der Wirkungskette. Die Überschrift beschreibt die Reaktion von Israel, genauso wie der erste Satz des Pitch. Erst dann kommt der Auslöser. Auch wenn man dieses Stilmittel recht einfach durchschaut, geht es darum was hängen bleibt. Wenn ich im Jahr 20 mal diese Überschrift gelesen habe, dann bleibt genau diese Botschaft hängen.

Bewusste Manipulation “der Medien”?

Machen “die Medien” das absichtlich, also mit einer bewussten Manipulationsabsicht? Manche würden jetzt sofort “JA” rufen. Ich bin mir da nicht so sicher. Ich denke viel mehr, dass das was wir hier sehen ein Verschwimmen zwischen Meinung und Nachricht ist. Tuvia Tennenbom bringt das wie folgt auf den Punkt:

Es gibt keinen Journalismus mehr, vor allem in Deutschland nicht. Stattdessen gibt es Aktivismus. Journalisten berichten nicht mehr, was geschieht, sondern was wir denken sollen. Carolin Emcke, die 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen hat, ist eine Aktivistin, keine Journalistin. Sie predigt.

Tuvia Tennenbom im Interview mit spiegel online; http://www.spiegel.de/kultur/literatur/tuvia-tenenbom-allein-unter-fluechtlingen-interview-zu-seinem-neuen-buch-a-1140837.html

Die Grenzen verschwimmen immer mehr. Nicht aus böser Absicht heraus, sondern aus einer Überzeugung heraus das Richtige zu tun. Dies macht überings nicht nur die eher linksgerichtete Zeit so, sondern die meisten anderen Medien in Deutschland machen dies auch so. Auch die, die so gerne “Lügenpresse” rufen, werden doch nur von den Medien manipuliert, die sie so lesen.

Das ist doch das eigentlich tragische an der Entwicklung: Es treffen zwei Lager aufeinander, die jeweils für sich objektive Berichterstattung reklamieren und jeweils dem anderen Lager bewusste Manipulation unterstellen. Ich bin mir zwar auch sicher, dass es diese bewusste Manipulation in gewissen extremen Medien gibt, sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite des politischen Spektrums. Denke aber, dass bei den meisten Journalisten etwas anderes dahinter steckt.

Die Hintergründe

Böse Mächte? Verschwörung? Nein, ich denke es ist viel einfacher und langweiliger. Seit längerer Zeit erleben wir, wie öffentlichkeitswirksam Sachkonflikte in die persönliche Ebene getragen werden. Zusätzlich gibt es eine Zuspitzung in “die Guten und die Bösen”, die sich immer mehr verselbstständigt und verschärft hat. Gruppenzugehörigkeit wurde schon immer durch Abgrenzung von Nicht-Gruppenmitgliedern erreicht. In der Geschichte diente dies auch schon oft als eine Begründung für Kriege, nicht erst seit Bush und seiner “Achse des Bösen”. Die Veränderung, die sich meiner Meinung nach in den letzten Jahrzehnten ergeben hat, betreffen mehr die gesellschaftlichen Gruppen und die Abgrenzung dieser zueinander. Hier ist eine deutlich Unversöhnlichkeit und eine recht krasse Polarisierung zu beobachten. Dies mündet in einer Sprachlosigkeit und schlägt zunehmend in Gewalt um.

Diese gesellschaftlichen Entwicklungen haben natürlich auch Auswirkungen auf die Journalisten und ihre Arbeit. Wobei wiederum diese die Entwicklung verstärken. Viel ausgeprägter als bei uns in Deutschland kann man dies in den USA beobachten. Dort gibt es im Wesentlichen nur noch zwei Lager: Das klimawandelskeptische, pro-Israel Lager und das klimawandel, pro-Palästinenser Lager. Die Medien sind jeweils einem der beiden Lager zuordenbar und bekämpfen sich für die “gute Sache”, auch mit Falschmeldungen, gegenseitig. Präsident Trump ist da nur das folgerichtige Resultat des Ganzen.

Schaut man sich die Fragen im oben erwähnten Interview des Spiegels mit Tuvia Tennenbom an, dann fällt eine Frage ins Auge, die diese Sichtweise untermauert:

Spiegel: Aber ist es nicht zum Beispiel ganz elementar, gegen Hass einzutreten, wie es Emcke getan hat?

Frage von Kaspar Heinrich, spiegel-online, an Tuvia Tennenbom; http://www.spiegel.de/kultur/literatur/tuvia-tenenbom-allein-unter-fluechtlingen-interview-zu-seinem-neuen-buch-a-1140837.html

Mit dieser Frage offenbart der Journalist etwas von seinem Selbstverständnis als Journalist. Der Gedanke dahinter lautet: Es muss einem Journalisten doch erlaubt sein für die “gute Sache” einzutreten und für diese Stimmung zu machen. Das Problem ist aber nur, dass die Definition der “guten Sache” von der persönlichen Sichtweise abhängt. Die Journalisten befeuern mit solchen Positionierungen also nur die gesellschaftliche Spaltung und die Unversöhnlichkeit. Sie schalten sich somit selbst als “neutrale” Berichterstatter aus. Diese Lücke wurde und wird immer mehr durch andere Portale gefüllt, die zwar nicht berichten “was ist”, aber zumindest so tun als wenn sie dieses Ziel verfolgen.

Gibt es einen Ausweg?

Die Frage ist jetzt natürlich, ob es einen Ausweg gibt Oder ob alles zwangsläufig wieder in Gewalt und Chaos enden muss? Ich bin mir da ehrlich gesagt nicht sicher, da der Mensch an sich eher wenig intelligent handelt und es noch viel schlimmer wird, wenn er sich in einer Gruppe bewegt. In den USA können wir gerade beobachten wie zwei unversöhnliche Lager lieber ein ganzes Land über Wochen lahmlegen, als einen Kompromiss einzugehen. Und beide Seiten wähnen sich damit natürlich im Recht.

Insgesamt merkt ihr schon, dass ich eher negativ eingestellt bin, was die Aussichten auf eine Normalisierung der Lage betrifft. Dazu mögen auch einige Begebenheiten in letzter Zeit ihren Teil beigetragen haben. Auf einer Fortbildung habe ich zum Beispiel eine Mann kennengelernt, der offensichtlich ein Anhänger der AfD war. Mit ihm war eine Diskussion aber gänzlich unmöglich, da er in allen Punkten immer recht hat und man links-grün ist, wenn man anderer Meinung ist. Was dann auch ein Ausschlusskriterium für die Teilnahme an der “Diskussion” ist. Davon abgesehen, dass ich es als Beleidigung empfinde, wenn mich jemand als links-grün bezeichnet, sehe ich bei solchen Hardlinern kaum Chancen auf Verständigung. Nur ist die Masse, die den Rattenfängern links und rechts hinterher läuft, besser als dieser Eine?

Das große Problem das ich sehe ist doch, dass auf beiden Seiten keinerlei Problembewusstsein existiert und somit auch keine Notwendigkeit für Verständigung.


Wie hat dir der Artikel gefallen? 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Bewertungen)

Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.