Sollten vorgeburtliche Bluttest eine Kassenleistung werden?

Dies ist die Frage, die zur Zeit heiß diskutiert wird. In der Debatte geht es um Bluttest, mit denen ungeborene Babys auf Trisomie 21 getestet werden können. Bisher müssen Eltern diesen Test aus eigener Tasche bezahlen. Einige Politiker möchten ihn nun zur Kassenleistung machen. Der Test ist deshalb so umstritten, da die Folge von einem positiven Test meistens eine Abtreibung ist. Im Bundestag gab es heute schon eine erste Debatte dazu. Die Debatte könnt ihr euch hier nochmal anschauen:

Aber viel interessanter finde ich noch, wenn mal betroffene Menschen zu Wort kommen. Besonders gut fand ich da das Interview vom Deutschlandfunk mit Natalie Dedreux. Money Quote:

Also ich würde ihnen sagen, wir wollen nicht mehr abgetrieben werden, sondern auf der Welt bleiben, […]. Ich persönlich würde mein Kind auch nicht einfach so abtreiben, nur weil es Down-Syndrom hat. Ich würde ihm ein herzliches Willkommen auf der Welt geben und mich auch da drüber freuen, dass ich ein Kind habe, das die Geburt auch überlebt hat.

Natalie Dedreux, https://www.deutschlandfunk.de/debatte-um-trisomie-bluttest-down-syndrom-ist-keine.694.de.html?dram:article_id=446036

Ich höre ja jeden Morgen Interviews an und dieses Interview fand ich mit Abstand das Interessanteste seit langem. Hört es euch einfach mal an oder lest es euch durch. Es hilft mal eine andere Perspektive zu übernehmen und auch mal die zu hören, denen oft nicht zugehört wird.

Aber zurück zur Debatte: Ein wesentlicher Punkt für mich ist aber auch, dass der diskutierte Test 17,4% falsch-positive Ergebnisse liefert (Sensitivität 99,13% und Spezifität 99,5%). Bei einem positiven Ergebnis werden zwar immer noch weitere Tests vorgenommen, aber letztlich führen diese Tests auch dazu, dass Kinder ohne Chromosomenstörung abgetrieben werden. Auch ist nicht auszuschließen, dass Eltern die eigentlich gar nicht abtreiben wollen, durch diese Tests verunsichert werden und sich dann dem gesellschaftlichen und ärztlichen Druck beugen.

Anstatt Geld für Tests auszugeben, sollte die Politik lieber das Geld nehmen und Familien mit behinderten Kindern besser unterstützen. Bessere Betreuungsangebote, Förderung und leichterer Zugang zu medizinischen Hilfsmitteln wären ein guter Anfang.

Jeder Mensch ist wertvoll und hat ein Recht auf Leben! Diese Botschaft sollte wieder stärker verbreitet und vertreten werden.

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